Bei der Metaller-Lohnrunde spießt es sich, die Gewerkschaft bereitet Kampfmaßnahmen vor.

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Wien – Am Ende ging es schnell. Eine halbe Stunde nach dem Abendessen brachen die Gewerkschafter die Lohnverhandlungen am Mittwochabend ab. Das Angebot der Maschinenbau- und Metallwarenindustrie sei absolut unzureichend, sagten Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer und Karl Dürtscher von der Privatangestelltengewerkschaft GPA. Den Betrieben gehe es weit besser als dargestellt, daher seien die von den Arbeitgebern gebotenen 1,8 Prozent mehr Lohn "eine Frotzelei".

Nun kommt es zur üblichen Eskalation. Erste Stufe der gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen sind Betriebsrätekonferenzen in den Bundesländern ab Montag. Die weitere Dramaturgie werde erst erarbeitet, aber man werde die notwendigen ÖGB-Beschlüsse – gemeint ist ein vorsorglicher Streikbeschluss für einen Arbeitskampf – rechtzeitig fassen, sagte Dürtscher. Ob bis zum nächsten Verhandlungstermin am 28. Oktober in den rund 1.200 Mitgliedsbetrieben des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI) bereits Betriebsversammlungen abgehalten werden, ist noch offen.

"Keinen Millimeter bewegt"

Der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie, Christian Knill, zeigte dafür kein Verständnis: "Die Gewerkschaften haben sich heute keinen Millimeter bewegt, so geht das nicht." Die gebotenen 1,8 Prozent lägen "deutlich über der aktuellen Inflationsrate von 1,2 Prozent", berücksichtigten aber auch die "Alarmzeichen der nachlassenden Konjunktur".

Er attestiert der Gewerkschaft, kein "williger Partner" zu sein. Es gehe ihr nicht um einen sachlichen und seriösen Abschluss im Sinne aller, sondern um die politische Inszenierung und "eine reine Klientelpolitik auf Kosten der Betriebe und aller Mitarbeiter".

Viele Streitpunkte

An Streitpunkten mangelte es bei den Verhandlern am Dienstag und Mittwoch auch abseits der prozentuellen Erhöhung nicht: sechste Urlaubswoche, Viertagewoche und Angleichung des Arbeitsrechts für die rund 140.000 Metallarbeiter und Industrieangestellten der Metallverarbeitungs- und Maschinenbauindustrie sowie der Gießereibetriebe. Als "zäh wie ein Strudelteig" schilderten Sitzungsteilnehmer den Verhandlungsfortgang am Mittwoch.

Die sechste Urlaubswoche ist den Arbeitgebern des Fachverbands Metalltechnische Industrie und der Bundessparte Industrie rund um Evva-Chef Stefan Ehrlich-Adam und den scheidenden Collini-Chef Johannes Collini schon immer ein rotes Tuch. Das hatte Fachverbandsobmann Knill bereits vor Beginn der Verhandlungen im September klargestellt. Gefeilscht wurde darüber trotzdem – mit null Erfolg, wie aus Kreisen der Arbeitnehmer verlautet.

Angleichung Arbeitsrecht

Auch bei der Angleichung von Arbeiter- und Angestellten-Dienstrecht spießt es ich, zumal für die Arbeitnehmervertreter nur eine Angleichung "nach oben" infrage kommt, wie Wimmer und Dürtscher betonten. Das lässt sich mit dem Wunsch der rund 1.200 Firmenchefs nach einem – angesichts der nachlassenden Konjunktur – "Abschluss mit Augenmaß" schwer vereinbaren. Schwer verdaulich scheint selbst die Forderung nach einer Umwandlung des Jubiläumsgelds in Freizeit, was allerdings taktische Gründe haben dürfte.

Mit der Freundlichkeit zwischen Arbeitgebervertreter Johannes Collini (links) und Gewerkschafter Rainer Wimmer war es am Ende des vierten Verhandlungstages vorbei.
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Als schwer verdaulich stellt sich auch die Forderung nach einer Verankerung der Viertagewoche auf Wunsch des Dienstnehmers im Kollektivvertrag dar, eine Art nachträgliches Gegengeschäft für den im Vorjahr von der Regierung per Gesetz ermöglichten Zwölfstundentag. Der Grund: So einfach lässt sich die Viertagewoche in Schichtbetrieben nicht umsetzen.

Denn eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit über acht Stunden hinaus gilt als problematisch für die Gesundheit, und jede andere Form hätte automatisch eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit zur Folge, was den Arbeitnehmern ohne vollen Lohnausgleich wohl kaum recht wäre und somit für die Arbeitgeber "Gift" ist. Sie erwarten in diesem Punkt von der Gewerkschaft konstruktive Vorschläge aus der Praxis, wie es heißt.

Schmelzende Aufträge

Wie weit man von der von der Gewerkschaft geforderten Erhöhung um 4,5 Prozent entfernt ist, lässt sich nun erstmals abschätzen: Viel mehr als die Inflationsabgeltung liege nicht auf dem Tisch, das wäre ein Plus von 1,8 Prozent. Angesichts schmelzender Auftragspölster und negativer Vorzeichen im Produktionsindex seit Mai wäre der angepeilte Dreier vor dem Komma bei einer Produktivitätssteigerung von 0,5 Prozent schon rein rechnerisch eine Sensation. (Luise Ungerboeck, 16.10.2019)