In Romantikkomödien aus Hollywood ist es ein beliebtes Thema: Arbeitskollegen müssen ihre Liaison verheimlichen, damit sie ihren Job nicht verlieren. Um sich nicht mehr verstecken zu müssen, kommt es zur romantischen Geste: "Ich kündige und ich liebe diese Frau!" wird – meistens von ihm – proklamiert, dem Happy End steht nichts mehr im Weg. Abseits der Leinwand enden Büroaffären in den USA seltener mit der emotionalen Kündigung, sondern eher mit einer fristlosen Entlassung.

Jüngstes Beispiel: McDonald's feuerte seinen Konzernchef Steve Easterbrook wegen einer Affäre am Arbeitsplatz, wie in der Nacht auf Montag bekannt wurde. Er habe ein "schlechtes Urteilsvermögen" bewiesen und, auch wenn die Beziehung einvernehmlich sei, gegen den Unternehmenskodex verstoßen, teilte die Fastfood-Kette mit. Im Juni 2018 stolperte auch der Chef des Chipherstellers Intel, Brian Krzanich, über eine Büroromanze.

"Liebesvertrag" unterzeichnen

Seit der 2017 aufgekommenen MeToo-Debatte versuchen vor allem amerikanische Unternehmen verstärkt gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen, indem sie auch einvernehmliche Affären eindämmen. Laut Umfragen haben mehr als die Hälfte der US-Konzerne ihre Regeln über Beziehungen am Arbeitsplatz in den letzten beiden Jahren überarbeitet, wie eine Erhebung der Beratungsagentur Challenger, Gray & Christmas ergab. Personalabteilungen verbieten Beziehungen zunehmend, sobald ein hierarchisches Arbeitsverhältnis vorliegt. Die übrigen legitimen Büropärchen müssen häufig einen "Liebesvertrag" unterzeichnen. Darin erklären die involvierten Parteien, dass ihre Beziehung einvernehmlich sei. Firmen wollen sich so vor späteren Missbrauchsvorwürfe schützen.

Büroliebschaften sind aber in den USA weiterhin auf der Tagesordnung. Jeder zweite US-Angestellte gesteht ein, schon eine Affäre am Arbeitsplatz gehabt zu haben, wie eine Erhebung des Meinungsforschers Vault heuer ergab. Die große Mehrheit davon würde es wieder tun. Außerdem kennen über 40 Prozent die entsprechenden Vorschriften im Betrieb nicht.

In Österreich Privatsache

In Österreich wäre eine Liebesbeziehung am Arbeitsplatz im Regelfall kein Entlassungsgrund – auch nicht eines zwischen Führungskraft und Untergebenem. "Die Achtung des Privat- und Familienlebens hat bei uns einen viel höheren Stellenwert", sagt Martin Risak, Arbeitsrechtsexperte an der Uni Wien. "Sie verkaufen sich nicht mit Haut und Haaren an ein Unternehmen, sondern es wird akzeptiert, dass Sie daneben noch andere Interessen haben." Deshalb seien Klauseln in Unternehmensrichtlinien, die Liebesbeziehungen untersagen, hierzulande nicht denkbar.

In Österreich ist eine Romanze am Arbeitsplatz normalerweise kein Entlassungsgrund, sagen Arbeitsrechtsexperten.
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Genauso sieht das Stephan Nitzl, Leiter der Arbeitsrechtspraxis bei DLA Piper in Österreich. Er sagt: "In Österreich gibt es keine so strengen Vorschriften, die das Liebes- und Flirtverhalten regeln." Für einen Rauswurf müsse schon "etwas Gravierenderes vorfallen". Ein Entlassungsgrund könne sein, wenn jemand seine Autorität missbraucht, etwa Angestellte sexuell missbraucht.

Konsequenzen kann eine Liebesaffäre auch dann haben, wenn sie die Interessen des Dienstgebers verletzt. Das kann der Fall sein, wenn jemand seinem unbefugten Partner Zugang zu betriebsrelevanten Informationen verschafft. Oder auch, wenn man seinen Partner bevorzugt, sagt Risak, "etwa durch eine ungerechtfertigte Beförderung". Wobei es unerheblich sei, ob die Beziehung sexueller Natur ist: "Warum ist ein One-Night-Stand arbeitsrechtlich etwas anderes, als wenn ich jeden Freitag mit jemandem Fußball spiele?"

In der Arbeitszeit brav bleiben

Turteltäubchen, aufgepasst! Denn ein weiterer Entlassungsgrund könnte sich aus der Büroromanze ergeben: nämlich "wenn das Paar während der Arbeitszeit Sex hat", sagt Nitzl. Er kenne so einen Fall. "Dasselbe kann einem aber passieren, wenn man nur privat auf Facebook surft, anstatt zu arbeiten, und dies als Arbeitszeit verbucht." (Lisa Breit, Leopold Stefan, 5.11.2019)