Seit 2006 leitete Warnig das Unternehmen Nord Stream, das die erste Pipeline durch die Ostsee baute.

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Ist von Männerfreundschaft, Russland und Deutschland die Rede, dann kommen einem sofort zwei Namen in den Sinn: Wladimir Putin und Gerhard Schröder. Seit Jahren zelebrieren der russische Präsident und der deutsche Ex-Kanzler ihre engen Kontakte öffentlich.

Es gibt allerdings noch einen anderen Deutschen, auf den sich Putin voll verlassen kann: Matthias Warnig, den Chef der russischen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die US-Präsident Donald Trump ein großer Dorn im Auge ist.

Anders als Schröder agiert Warnig im Hintergrund und ist kaum bekannt. Doch auch er pflegt beste Kontakte nach Moskau. Und seine Freundschaft zu Putin währt deutlich länger als die von Schröder.

Der 64-jährige Warnig stammt aus dem brandenburgischen Altdöbern, er studierte zu DDR-Zeiten an der Ostberliner Hochschule für Ökonomie. "In den Jahren 1981 bis 1990 hatte Matthias Warnig verschiedene Ämter in der Regierung der DDR, unter anderem im Ministerium für Außenhandel und im Kabinett, inne", heißt es auf der Website von Nord Stream 2.

Deckname Arthur

Nicht erwähnt wird, dass Warnig von 1974 an für die Stasi spionierte. "Arthur" war sein Deckname, aus der Düsseldorfer DDR-Handelsmission lieferte er Informationen über westdeutsche Unternehmen nach Ostberlin.

Nach der Wende zahlten sich seine guten Kontakte im Westen und im Osten aus. 1990 ging Warnig zur Dresdner Bank, 1991 eröffnete diese ihre Repräsentanz in St. Petersburg. Zu dieser Zeit war Putin dort Beamter und für Außenbeziehungen zuständig.

Die beiden Ex-Agenten – Putin war als KGB-Mann in Dresden gewesen – freundeten sich an. Laut der Tageszeitung Die Welt half Warnig Putin auch privat. Als dessen Frau Ljudmila 1993 bei einem Verkehrsunfall lebensgefährlich verletzt wurde, erfolgte die Operation auf Kosten der Dresdner Bank in Deutschland.

Das dürfte Putin nie vergessen haben. Ab 2006 leitete Warnig das Unternehmen Nord Stream, das die erste Pipeline durch die Ostsee baute. Er ist zudem Mitglied in den Aufsichtsräten des Pipeline-Betreibers Transneft, der staatlichen russischen VTB Bank sowie des russischen Ölriesen Rosneft und sitzt im Verwaltungsrat der Gazprom Schweiz AG.

2012 verlieh ihm Putin den "Orden der Ehre". Eine Wohnung in Moskau hat Warnig auch. Ständig lebt er mit seiner zweiten Frau aber in Baden-Württemberg. (Birgit Baumann, 23.12.2019)