Die EU-Kommission würde gerne aus Kostengründen die kleinsten Kupfermünzen abschaffen, erntet aber Gegenwind aus Österreich und Deutschland.
Foto: APA/HARALD SCHNEIDER

Frage: Sind die Tage der Ein- und Zwei-Cent-Münzen gezählt?

Antwort: Diskutiert wird in der EU über Sinn und Unsinn der kleinsten Cent-Münzen schon lange. Nun erwägt die Kommission deren Abschaffung. Ziel sind einheitliche Rundungsregeln. Damit bleiben Ein- und Zwei-Cent-Münzen als Zahlungsmittel gesetzlich gültig, sollen in der Praxis aber langsam aus dem Geldverkehr verschwinden. Nicht klar ist, ob das die EU-Kommission juristisch durchsetzen kann. Denn die Rechte für die Münzausgaben obliegen den Nationalstaaten. Der österreichische und der deutsche Finanzminister haben bereits gegen eine Abschaffung Stellung bezogen.

Frage: Wie steht die österreichische Notenbank dazu?

Antwort: Die Oesterreichische Nationalbank plädiert für "vernünftige Rundungsregeln" und pragmatischen Zugang, wie ihr Direktor Stefan Augustin sagt. Eine Abschaffung kleiner Münzen hält er für den falschen Weg. "Sie sollen ihren Wert behalten." Alles andere würde Unsicherheit in der Bevölkerung schüren.

Frage: Was sind die nächsten Schritte?

Antwort: Jetzt wird einmal evaluiert. Die EU will die Kleinstmünzen auf ihre Effizienz abklopfen, dann alle Betroffenen kontaktieren, verspricht Kommissionsvizepräsident Maroš Šefcovic. Noch gebe es keine Einigung. Finnland, die Niederlande und Belgien haben bereits Rundungsregeln eingeführt.

Frage: Ab wann könnte die Abschaffung umgesetzt werden?

Antwort: Die Mitglieder der Eurozone könnten im Herbst das geplante Aus für Ein- und Zwei-Cent-Münzen beschließen. Dann würden die Münzen voraussichtlich ab 2021 sukzessive aus dem Bargeldkreislauf verschwinden.

Frage: Was wird den kleinen Münzen denn angelastet?

Antwort: Abgesehen vom aufwendigen Handling an der Kassa und ihrem hohen Gewicht im Börsel: Ihr ökologischer Fußabdruck ist mies. Kritiker sprechen von enormer Ressourcenverschwendung wertvoller Metalle. Bis zu 250 Millionen Stück davon werden jährlich allein in Österreich geprägt. Die Deutsche Bundesbank kommt auf eine Milliarde. Die Produktion passiert in Österreich dank starker Automatisierung zwar kostendeckend. Logistik und Transport geben den roten Kupferlingen dennoch keinen grüneren Farbstich.

Frage: Wieso werden jährlich so viele Kupfermünzen geprägt?

Antwort: Die Ein- und Zwei-Cent-Münzen weisen den höchsten Schwund auf. Einige gehen verloren, andere verschwinden bis auf weiteres in Gurkengläsern der Verbraucher und werden auf diese Weise auf unbestimmte Dauer dem Bargeldkreislauf entzogen. Daher müssen stetig neue Münzen nachgeprägt werden.

Frage: Wie gehen andere, vor allem kleinere Eurostaaten mit dem Problem hoher Produktionskosten um?

Antwort: Laut einem Bericht der EU-Kommission vom November 2018 tauschen manche Mitglieder der Währungsunion andere Euromünzen zum Nennwert gegen die Ein-Cent-Münzen anderer Staaten, um die Kosten der Erzeugung und Bevorratung der kleinsten Kupfermünze zu verringern.

Hier endet das Schicksal vieler Kupfermünzen: in einem Gurkenglas. Damit ist das Geld oft auf viele Jahre dem Wirtschaftskreislauf entzogen.
Foto: Getty Images

Frage: In manchen Eurostaaten werden die kleinsten Kupfermünzen schon länger nicht mehr hergestellt. Wie geht das Bezahlen mit Bargeld im Einzelhandel vor sich?

Antwort: Laut dem Bericht der Kommission wird in Finnland seit 2002 die gesamte Einkaufssumme bei Barzahlung auf fünf Cent kaufmännisch gerundet. In den Niederlanden wird dieses Vorgehen seit 2004 angewendet. In den vergangenen Jahren haben auch Belgien, Irland und Italien die gesetzliche Grundlage für das Runden geschaffen – gelebte Praxis im Alltag war dies laut dem Bericht damals allerdings weder in Belgien noch in Italien.

Frage: Warum gibt es diese Minibeträge überhaupt?

Antwort: Sie hatten 2002 beim Umstieg von Währungen wie dem österreichischen Schilling auf den Euro im Dienste der exakten Umrechnung sehr wohl Bedeutung. Mittlerweile hat sich das Preisgefüge jedoch nicht zuletzt aufgrund leichter Inflation verändert.

Konsumentenschützer warnen vor einer Abschaffung des Bargelds.
Foto: Im

Frage: Ist ihr Verschwinden eine weitere Stufe in Richtung einer weithin befürchteten Abschaffung des Bargelds?

Antwort: Konsumentenschützer wie Walter Hager vom Verein für Konsumenteninformation warnen davor. Für Nationalbank-Direktor Augustin ist keine Rede davon: Bargeld bleibe auch in Zukunft fixer Bestandteil der Geldwirtschaft.

Frage: Wie hält es Österreichs Handel mit den Cent-Münzen?

Antwort: Die Meinungen darüber sind geteilt. Für Rainer Will, Chef des Handelsverbands, würde der Verzicht auf sie die Arbeit seiner Branche jedenfalls effizienter machen – allein schon dadurch, dass jedes Geschäft statt acht nur sechs verschiedene Münzrollen bereitzustellen und zu zählen hat.

Frage: Könnte sich der Handel durch geschicktes Aufrunden nicht ein sattes Körberlgeld holen?

Antwort: Konsumentenschützer Hager empfiehlt, im Falle des Falles Händler scharf zu beobachten: Kunden würden aus seiner Sicht finanziell nicht von neuen Rundungsregeln profitieren. Handelsverband-Chef Will weist darauf hin, dass es in Ländern, die diese bereits umsetzten, nie derartige Probleme gab. Da stets zum nächsten Fünf-Cent-Betrag gerundet werde, hielten sich Mehrkosten und Erspartes für Konsumenten die Waage. Dafür spricht auch, dass psychologische Preisgrenzen ungern gesprengt werden. Im Zweifelsfall bietet der Handel seine Ware lieber um 9,95 als um zehn Euro feil. Zudem würden die Kosten für Handhabe und Bevorratung von Bargeld durch ein Aus der kleinsten Münzen sinken, was theoretisch Spielraum für Preissenkungen verschaffen würde.

Frage: Sollten Sammler vorsorglich rote Kupferlinge in ihr Münzrepertoire aufnehmen?

Antwort: Numismatiker winken ab. Nennenswerte Wertsteigerungen seien auch bei einer Abschaffung unrealistisch. Sammler seien mit verschweißten Originalrollen aller Jahrgänge bestens versorgt. Höhenflüge wie in Finnland, bei denen einzelne Cent-Münzen auf Flohmärkten um bis zu 20 Euro das Stück gehandelt wurden, seien so rasch verebbt, wie sie kamen. Und selbst wenn Ein- und Zwei-Cent-Münzen nicht mehr im großen Stil produziert werden sollten, werde es an Sammlereditionen auch künftig wohl nicht fehlen. (Verena Kainrath, Alexander Hahn, 30.1.2020)