"Die bringen uns um" sprüht eine Demonstrantin auf das Regierungsgebäude in Mexiko-Stadt.

Foto: AP/Ginnette Riquelme

Mexiko-Stadt – Nach mehreren brutalen Fällen von Frauenmorden hat der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador den Neoliberalismus für die Gewaltwelle verantwortlich gemacht. "Wir sehen einen Verfall, einen fortschreitenden Niedergang, der etwas mit dem neoliberalen Modell zu tun hat", sagte der Linkspopulist am Montag.

"Von Grund auf kümmern"

"Das lässt sich nicht mit Polizisten, Gefängnissen und der Drohung mit einer harten Hand lösen. Wir müssen uns darum von Grund auf kümmern, mit materieller und seelischer Fürsorge." López Obrador sieht die aus seiner Sicht neoliberale Politik seiner Vorgänger als Grund für viele Probleme des lateinamerikanischen Landes.

Mexiko war zuletzt von mehreren Morden an Frauen und Mädchen erschüttert worden. Am Wochenende wurde in einer Mülltüte die Leiche eines siebenjährigen Mädchens entdeckt, das offenbar nach der Schule entführt und getötet worden war. Vor einer Woche war eine 25-Jährige in Mexiko-Stadt nach einem Streit von ihrem Mann getötet worden. Fotos der Leiche mit durchgeschnittener Kehle gelangten an die Presse und sorgten für einen Aufschrei der Empörung. Jeden Tag werden in Mexiko im Durchschnitt zehn Frauen getötet.

Proteste von Feministinnen

In der vergangenen Woche protestierten Feministinnen gegen die Gewalt gegen Frauen, legten vor dem Nationalpalast Feuer und beschmierten die Wände und Tore mit Farbe. Sie werfen Präsident López Obrador vor, das Problem nicht ernst genug zu nehmen. "Bei allem Respekt bitte ich die Feministinnen darum, die Türen und Wände nicht zu beschmieren. Wir arbeiten daran, dass es keine Femizide mehr gibt", sagte der Staatschef und löste damit erneut Proteste aus. "Es sollen alle Tore und Monumente fallen, bis unsere Leben wieder etwas wert sind", schrieb die Regionalchefin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Erika Guevara-Rosas, auf Twitter. (APA, 18.2.2020)