Ein Urlaub in der Heimat, und die Regierung zahlt die Übernachtung? Experten können der Idee durchaus etwas abgewinnen.

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Am 29. Mai sperren die Hotels wieder auf. Aber für wen? Den heimischen Herbergen drohen in der Sommersaison die Gäste auszugehen. Mehr als 30 Millionen ausländische Besucher kamen 2018 nach Österreich, mehr als 21,5 Milliarden Euro gaben sie im Land aus. Rund eine Milliarde mehr als Inlandtouristen. Von Mai bis Oktober 2019 buchten deutsche Urlauber 37,4 Prozent der 79 Millionen Nächtigungen, die Österreicher selbst nur 29,5 Prozent. Heuer könnten viele ausländische Gäste aufgrund der Corona-Pandemie ausbleiben.

Um den heimischen Beherbergungsbetrieben doch noch eine Sommersaison mit Prellungen anstelle von Genickbrüchen zu bescheren, überlegt die Regierung, bei den Inlandstouristen anzusetzen. Dem Vernehmen nach erwägt man, Gutscheine für österreichische Hotels zu verteilen. Übersetzt heißt das: Der Bund könnte zum Sommerurlaub in der Heimat dazuzahlen. Der Empfängerkreis und die mögliche Höhe der Gutscheine sind zwar offen. Die Bons wären aber wohl zweckgebunden und befristet. Sie könnten innerhalb eines bestimmten Zeitraums in österreichischen Beherbergungsbetrieben eingelöst werden.

Teuer

Eine flächendeckende Subvention komme nicht infrage, hört man – das sei schlichtweg zu teuer. Bekäme jeder Erwachsene einen Bon von 1.000 Euro, das älteste Kind 700 Euro und alle weiteren Kinder 500 Euro, wären das mehr als 7,5 Milliarden Euro. Zwar lässt sich hier beliebig mit den Zahlen spielen: Wenn die Maßnahme beispielsweise nicht mehr als zwei Milliarden Euro kosten soll, könnte die Regierung immer noch rund 300 Euro an jeden Erwachsenen, 70 Euro für das erste und 50 Euro für jedes weitere Kind auszahlen.

Allerdings würden die Schecks wohl nur an einzelne Gruppen verteilt. Eine mögliche Empfängergruppe wären die "Helden der Krise". Der Gewerkschaftsbund (ÖGB) fordert etwa einen Corona-Tausender für alle, die weiterhin arbeiten mussten und dabei einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren: etwa Kassierinnen oder Sicherheitskräfte. Dem ÖGB schwebt allerdings eine Überweisung von 1.000 Euro vor – nicht ein zweckgebundener Gutschein. Wer genau von dieser Maßnahme profitieren würden, ist eine Frage der Definition. Deshalb ist offen, wie viel die vom ÖGB geforderte Leistung kosten würde.

Eine andere Möglichkeit wäre, Kurzarbeiter für Einkommensausfälle zu entschädigen. Bei mehr als einer Million Menschen, die bisher zur Kurzarbeit angemeldet wurden, würden 1.000 Euro pro Person den Bund in Summe mehr als eine Milliarde kosten.

Wirksam

Experten können der Idee durchaus etwas abgewinnen. Die Regierung sollte laut Ökonomen jedoch zwei Dinge bedenken, sollte sie der Idee nähertreten. Erstens würde eine gezielte Subvention von Inlandstourismus zwar viel kosten. Das gilt aber auch, wenn man heimischen Herbergen mit Zuschüssen oder anderen Instrumenten durch die Krise hilft.

Ein Gutschein würde aber Umsätze in anderen Sektoren generieren: "Es geht auch darum, die Leute an den Urlaubsort zu bringen", erklärt Oliver Fritz, Tourismusexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo): "Dort würden beispielsweise auch der Handel und die Gastronomie profitieren." Das wiederum schlägt sich in Form von zusätzlichen Steuereinnahmen nieder. Die direkte und indirekte Wertschöpfung des heimischen Tourismus betrug 2018 mehr als 59 Milliarden Euro.

Charme

Zweitens sollte aber auch ein Anreiz geschaffen werden, dass die Menschen den Gutschein wirklich nutzen. Je geringer die Geldgeschenke, desto größer sei die Gefahr, dass ein Teil der Anreize verpufft, erklärt Fritz. Ein ärmerer Haushalt entscheidet sich womöglich gegen einen Familienurlaub, wenn die Gutscheine nur einen Teil der Nächtigungskosten abdecken. Und wenn wohlhabende Haushalte subventioniert werden, übernimmt der Staat womöglich Kosten für einen Urlaub, der auch sonst stattgefunden hätte.

Die Gutscheine hätten aus politischer Sicht Charme, sind ökonomisch aber wenig treffsicher, heißt es vonseiten des Thinktanks Agenda Austria. Denn Gutscheine nur für ärmere Haushalte würden niedrigere Preissegmente stützen, nicht die ganze Branche. Direkte Zahlungen an die betroffenen Betriebe seien vermutlich effizienter und günstiger für den Steuerzahler, so die Denkfabrik, die mahnt: Die Einschränkung auf die heimische Wirtschaft könnte möglicherweise dem EU-Wettbewerbsrecht widersprechen. (Aloysius Widmann, 7.5.2020)