Der Verkehrssektor ist in Österreich nach wie vor das Sorgenkind der Klimapolitik. Dort wird es viele Maßnahmen brauchen, um bis 2040 klimaneutral zu werden.

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Wien – Die Klimakrise kommt Österreich teuer zu stehen, die Gesamtkosten nehmen jährlich drastisch zu. So lassen sich die Hauptaspekte einer am Donnerstag präsentierten Studie grob zusammenfassen. Die Wissenschafter des Wegener Centers für Klimaforschung, die die COIN-Studie – für "Cost of Inaction", also Kosten des Nichthandelns – erstellt haben, rechnen allein heuer mit Kosten von rund 15 Milliarden Euro.

Für die Studie wurden direkte und indirekte Folgekosten der Klimakrise analysiert, erklärt Co-Studienautor und Klimaökonom Karl Steininger bei einer Pressekonferenz. Derzeit sei allerdings nur etwa die Hälfte der Wirklichkeiten monetär bewertbar, so Klimafonds-Chef Ingmar Höbarth. Viele Schäden für Umwelt und Mensch – wie etwa die steigende Rate an Hitzetoten – können nur schwer mit einem Preisschild versehen werden. "Corona hat gezeigt, dass Zuwarten teuer kommt", sagte Steininger. Durch die Klimakrise würden sich Schäden zwar langsamer als bei Covid-19 manifestieren, seien aber größer.

Kosten steigen stark

Bereits vor fünf Jahren wurde eine ähnliche Studie präsentiert. Damals rechneten die Autoren noch damit, dass bis 2050 wetter- und klimawandelbedingte Schäden von bis zu 8,8 Milliarden Euro pro Jahr entstehen werden. Mittlerweile wurde die Rechnung inflationsbereinigt auf bis zu zwölf Milliarden nach oben korrigiert. Immerhin haben sich die jährlichen Kosten in dem Bereich seit 2015 bereits auf zwei Milliarden Euro verdoppelt. Hinzu kommen Kosten für Klimaanpassungsmaßnahmen, die von den Studienautoren heuer mit einer Milliarde Euro beziffert wurden.

Miteinberechnet wurden auch fossile Importe, die laut Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) zu einem Wertschöpfungsverlust von acht Milliarden Euro pro Jahr führen. Klimaschädliche Subventionen wurden mit rund vier Milliarden Euro beziffert, "ein großer Brocken", so Gewessler. Die letzte Summe bezieht sich nach wie vor nicht auf Angaben der Regierung, sondern auf eine Wifo-Studie, die vor einigen Jahren entstanden ist. Eine Liste der tatsächlichen klimaschädlichen Subventionen hätten Umwelt- und Finanzministerium bereits vor einem Jahr vorlegen müssen. Noch ist sie ausständig.

"Kein Grund zur Freude"

Die Ergebnisse der Studie würden jedenfalls "keinen Grund zur Freude" liefern, sagte die grüne Ministerin. Die Kosten des Nichthandelns seien "enorm". Sie verstehe die Studie als "klaren Handlungsauftrag" an die Regierung. Dieser gab das Wegener Center gleich mehrere Empfehlungen mit: Neben dem Abbau klimaschädlicher Subventionen, sprechen sich die Autoren für eine frühere Einführung der geplanten CO2-Bepreisung aus. Diese würde schließlich vorübergehend auch dabei helfen, die durch Corona-Unterstützungsmaßnahmen stark belasteten öffentlichen Budgets zu sanieren. (lauf, 25.6.2020)