Der Handel hat Bedenken was die Kosten und den Platzbedarf eines zukünftigen Einwegpfandsystems betrifft – völlig zu unrecht, findet Christian Abl, Geschäftsführer der ÖPG Pfandsystemgesellschaft, im Gastkommentar. Lesen Sie dazu auch den Gastkommentar von Unternehmensberater Jürgen Wahl: Grüner Ökopopulismus mit Einwegpfand.

Die Wirtschaftskammer (WKO) und der Handelsverband schalten in der Debatte um das Einwegpfand seit Monaten auf stur, ignorieren unabhängige Studien und Empfehlungen aus der EU und verbreiten Schreckensszenarien. Dabei lassen sie eines außer Acht: Ein modernes Pfandsystem auf PET-Flaschen ist das wirksamste Mittel, um die EU-Sammel- und Recyclingquoten rechtzeitig und ohne schmerzhafte Strafzahlungen in Millionenhöhe zu erreichen. Mit dem Ausbau des bestehenden Sammelsystems sind diese Quoten hingegen ein utopisches Ziel.

Maue Recyclingquote

Österreich schneidet bei der Sammlung von Wertstoffen zwar im Allgemeinen sehr gut ab, einen deutlichen Nachholbedarf gibt es aber nach wie vor bei Kunststoffverpackungen. Hier müssen wir die Sammelquote bis 2029 von derzeit 70 auf 90 Prozent erhöhen. Ein weitaus größeres Problem besteht aber beim Thema Recycling: Hier muss unsere Quote bei Kunststoffverpackungen bis 2025 sogar verdoppelt werden, denn derzeit wird nur jede vierte Verpackung aus Kunststoff in Österreich recycelt. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass wir die Verdopplung der Recyclingquote von 26 auf 50 Prozent in nur fünf Jahren allein durch eine intensivere Sammlung von Wertstoffen schaffen werden. Warum? Weil wir diesen Rückstand mit dem bestehenden und technisch nicht optimal ausgestatteten System auch bisher nicht wettmachen konnten.

900.000 Tonnen Plastikmüll fallen in Österreich jährlich an. Es gibt Nachholbedarf sowohl bei der Sammlung von Kunststoffverpackungen als auch beim Recycling.
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Rund ein Drittel aller jährlich in Österreich hergestellten Leichtverpackungen aus Kunststoff entfällt auf PET-Flaschen – das sind rund 40.000 Tonnen im Jahr, Tendenz steigend. Bereits heute befinden wir uns in der Situation, dass das Volumen der unzähligen PET-Flaschen die Kapazitäten der heimischen Sortieranlagen ausreizt. Durch ein Einwegpfandsystem werden die zurückgegebenen Getränkegebinde aus dem allgemeinen Materialstrom an Kunststoffverpackungen genommen und kostenneutral für Handel und Industrie gesammelt und recycelt. Das schafft wiederum dringend notwendige Kapazitäten für die bereits überfällige Sortierung und das Recycling von anderen Kunststoffverpackungen – etwa Waschmittel- oder Hygienebehälter. Ein Problem, das die WKO und der Handelsverband hartnäckig ausblenden.

Klare Abfuhr

Die Bedenken des Handels bezüglich der Kosten und des Platzbedarfs eines zukünftigen Einwegpfandsystems – besonders in den Kleingeschäften – sind gerade in Zeiten von Cloud, Blockchain und 5G-Internet nicht berechtigt. Erfahrungen aus anderen Ländern mit einem Einwegpfandsystem, wie Norwegen oder Litauen, zeigen, dass der Großteil der Getränkegebinde ohnehin in größeren Supermärkten oder an Pfandautomaten zurückgebracht wird. Nur ein geringer Teil wird manuell zurückgenommen – dies ist vor allem in kleineren Geschäften der Fall, die durch den persönlichen Kundenkontakt sogar davon profitieren. Deutschland ist trotz Pfand weltweit führend beim Verpackungssammeln im gelben Sack. Dort wird fast doppelt so viel recycelt wie in Österreich. WKO und Handelsverband blockieren hier also eine funktionierende, innovative Lösung und beharren weiterhin u. a. auf der Sortierung von PET-Flaschen aus dem Restmüll. Diesem überholten Konzept hat ein Rechtsgutachten der Brüsseler Plattform für Kreislaufwirtschaft Reloop bereits Anfang des Jahres eine klare Abfuhr erteilt, da es nicht der EU-Abfallrahmenrichtlinie entspricht.

Ein modernes Pfandsystem trägt dazu bei, alle Kunststoffverpackungen intensiver zu sammeln und zu recyceln. Dadurch werden letztlich auch Verpackungshersteller motiviert, mehr recyceltes Material in der Produktion zu verwenden und damit auch Einsparungen bei der geplanten Herstellerabgabe zu generieren. Ein sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvolles Konzept, das Österreich dringend braucht. (Christian Abl, 3.11.2020)