Sieht doch kuschelig aus, oder? Der Eindruck könnte täuschen. Nicht alle arbeiten gerne von daheim. Andere möchten – allein der Arbeitgeber lässt es nicht zu.

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Ob wohl oder übel, weil sie eigentlich gerne Arbeit und Vergnügen getrennt wissen oder Kind und Kegel verschärfte Bedingungen bedeuten, oder ob dankbar, weil sie sich lange Arbeitswege oder die Begegnung mit unliebsamen Kollegen ersparen: Für viele Beschäftigte ist Homeoffice angesagt.

Die Schutzmaßnahmen rund um die Covid-19-Pandemie haben dem Heimwerken zu einem hierzulande nie gekannten Aufschwung verholfen. Noch vor Beginn der Pandemie haben rund fünf Prozent der Arbeitnehmer Teleworking genutzt. Das hat sich deutlich verändert. Laut einer im Auftrag der AK durchgeführten Ifes-Erhebung im April und im Oktober 2020 haben rund 40 Prozent der heimischen Arbeitnehmer im Homeoffice gearbeitet. Anfangs ohne große Vorbereitung.

Was hat sich getan?

Doch was hat sich nun seit dem ersten Lockdown beim Arbeiten zu Hause verändert? Wie ist es um die Infrastruktur bestellt? Und wie gestalten sich die Arbeitszeiten? Das Meinungsforschungsinstitut Ifes hat bei Beschäftigten nachgefragt. Rund vier von zehn Arbeitnehmern hätten mittlerweile Homeoffice-Erfahrung – für die meisten sei diese beim ersten Lockdown im Frühjahr neu gewesen, so Ifes-Geschäftsführerin Eva Zeglovits.

Jene, die nicht in den Genuss dieser Erfahrung kommen, begründen dies meist damit, dass Homeoffice in ihrem Job, bei ihrer Tätigkeit einfach nicht möglich sei. Manche sagen aber auch, ihr Arbeitgeber unterstütze das nicht – obwohl Arbeiten von daheim wohl möglich sei, wie manche Betroffene dem STANDARD berichten. Andere wollen oder können von sich aus nicht.

Kaum Verbesserungen

Viele der Befragten arbeiten eigenen Angaben zufolge zu Hause auch jetzt noch mit privater Ausrüstung, was Internetverbindung, Telefon, Monitor oder Drucker betrifft. So nützt ein Drittel den privaten Laptop, und noch höher ist der Anteil derjenigen, die die private Internetverbindung verwenden. Ein Fünftel vermisst einen ordentlichen Arbeitstisch, rund ein Drittel einen funktionalen Schreibtischsessel. Die Arbeitgeber hätten die Zeit nicht genützt, um ihre Mitarbeiter mit dem nötigsten Equipment auszurüsten, so Zeglovits. Zudem seien Frauen im Vergleich zu Männern schlechter ausgestattet. Verbesserungen gebe es seit dem Frühjahr kaum. "Bei der technischen Ausstattung hapert es immer noch gewaltig", so Zeglovits.

Viele stehen dem Homeoffice dennoch positiv gegenüber. Wichtig sei es aber, dass dies freiwillig bleibe. So halten es nur sechs Prozent für unwichtig, dass sie nicht zum Heimwerken gezwungen werden. Der überwiegenden Mehrheit ist das sehr bis eher wichtig. Was nun die Arbeitszeiten betrifft, so arbeitet über die Hälfte eigenen Angaben zufolge zu Zeiten, wo er oder sie sonst nicht werken würde – also am Wochenende oder auch spätabends. Über 40 Prozent sind zu teils absonderlichen Zeiten erreichbar.

Strikte Trennung

AK-Wien-Präsidentin Renate Anderl hält es jedenfalls für nötig, so rasch wie möglich entsprechende Regelungen zu treffen, am besten in Form eines eigenen Gesetzes. Ein paar weitere wesentliche Punkte aus ihrer Sicht: "Nicht alle Arbeitnehmer können oder wollen im Homeoffice arbeiten. Im Fall von Homeoffice liegt es an den Arbeitgebern, für die nötige Infrastruktur zu sorgen." Es bedürfe einer klaren Trennung zwischen Homeoffice einerseits und anderen Aufenthalten in den eigenen vier Wänden, vor allem aufgrund von Krankenstand oder um Kinder und Angehörige zu pflegen. Dass das für viele unrealistisch ist, wissen viele aus eigener Erfahrung. Anderl findet es "erschütternd, dass 60 Prozent angeben, eher im Homeoffice zu arbeiten, als Pflegefreistellung zu nehmen, und dass 56 Prozent eher krank von zu Hause arbeiten, als in Krankenstand zu gehen. Das geht nicht."

Homeoffice und Kinderbetreuung gehe jedenfalls nicht zusammen, spricht die AK-Präsidentin wohl so manchen Leidgeprüften aus der Seele. Ihre Hoffnung liegt auch bei den Betriebsräten: "Die Befragung zeigt ganz deutlich, dass die Regelungen da besser sind, wo es Betriebsräte gibt." (Regina Bruckner, 24.11.2020)