Forschen, wo andere Urlaub machen: Das funktioniert an der anthropologischen Grabungsstätte in der italienischen Guattari-Höhle, die unweit des Westküstenstrands zwischen Rom und Neapel liegt. Hier wurde immerhin schon im Jahr 1939 ein Neandertaler-Schädel gefunden. In der Gemeinde – San Felice Circeo – befindet sich in einem Türmchen im Ortszentrum ein kleines Museum, das über die Geschichte des Homo sapiens informiert.

Seit 2019 finden hier wieder Grabungen statt. Ihre Ergebnisse können sich sehen lassen: Skelettreste von neun Neandertalern wurden nun entdeckt, wie das italienische Kulturministerium berichtet. "Es ist eine außergewöhnliche Entdeckung, von der die ganze Welt sprechen wird", zeigt sich Kulturminister Dario Franceschini enthusiastisch.

Schädel- und Knochenfragmente sorgen unter italienischen Forschenden für Begeisterung.
Foto: Emanuele Antonio Minerva/AP

Acht der Urmenschen dürften zwischen 50.000 und 68.000 Jahre alt sein. Eine der Personen könnte sogar vor 100.000 Jahren jagend und sammelnd durch die Küstenregion im heutigen Latium gestreift sein.

Hinweise auf gekochtes Fleisch

An den neuen Untersuchungen waren unter anderem Forschende von der römischen Universität Tor Vergata beteiligt. Sie drangen in bisher unbekannte Zonen der Höhle vor und untersuchten umliegende Außenbereiche. Neben den Schädelresten und Knochenteilen der Höhlenmenschen wurden auch Spuren urzeitlicher Tiere und Pollen analyisert. So wollen die Paläontologie-Kundigen einen Eindruck davon bekommen, wie die Lebenswelt der Frühmenschen aussah und weshalb sie vor rund 40.000 vermutlich ausstarben.

"Die Entdeckung von Holzkohle und verbrannten Tierknochen bestätigt tatsächlich die Hypothese des Vorhandenseins eines richtigen Herdes", hieß es in der Mitteilung. Durch den Fund von Tierknochen, etwa von Elefanten, Höhlenbären, Wildpferden und Auerochsen, können die Fachleute die Umwelt und das damalige Klima allmählich rekonstruieren. (sic, APA/DPA, 8.5.2021)