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DER STANDARD ist stets direkt am echten Leben dran. Diesmal beobachtet: Interaktion zwischen eiligem Bürger, nennen wir ihn B., und Exekutivbeamten vulgo Polizist, ergo P., in Wien VII., Mondscheingasse, von der Neubaugasse her kommend auf die rechtsbevorrangte Zollergasse treffend. Vespa-Fahrer schleicht diese hinan, dahinter die Polizei, hält ihn an der Kreuzung an. Würde der Einspurige einen Meter vorrollen, käme der einmündende Verkehr vorbei.

B. tippt kurz die Hupe, um dies dem Herrn zu signalisieren. Springt P. auf B.s Auto zu und blafft ihn an, was das solle. B.: "Entschuldigung, aber ich wollte nur, dass der Herr ein klein wenig vorfährt, dann kommt man vorbei." P.: "Sie kriegen eine Anzeige wegen unerlaubtem Hupen!" B: "Soll ich mich da vorn einparken?" P.; "Mir doch egal. Tun Sie, was sie wollen!"

Arbeitsüberlastung

Minuten vergehen, nichts geschieht. B. steigt aus, frägt, ob er weiterfahren soll oder was. P. wiederholt: "Tun Sie, was Sie wollen!" B.: "Sind Sie immer so aggressiv?" P.: "Da spricht der Richtige. Warum haben Sie mich angehupt?" B.: "Ich habe doch nicht Sie angehupt, sondern wollte, wie schon gesagt, den Vespa-Fahrer anregen, einen halben Meter weiter zu rollen. Aber gut. Darf ich mir dann Ihren Namen notieren?" P.: "Wenn Sie mir den Führerschein zeigen, kriegen Sie meine Dienstnummer." B. notiert: 900053. – und verabschiedet sich mit "So viel also zum Thema ,Freund und Helfer‘." P: "Das sind wir schon lange nicht mehr! Jetzt sind wir ,Sicherheit und Hilfe‘". Aha. Hilfe ...

Danach erkundet B. das Strafmaß, laut Bußgeldkatalog 15 bis 20 Euro. Freund M. schmunzelt: "Da kannst Du ja noch ein Trinkgeld drauflegen." B.: "Gute Idee. Für ein kleines Bier, das beruhigt. Vielleicht lagen bei P. ja nur wegen Corona-Arbeitsüberbelastung die Nerven blank." Und damit klinken wir uns auch schon wieder aus aus unserer Beobachtung. (Andreas Stockinger, 11.6.2021)