Mit 30 Minuten Ausdauertraining am Tag kann man das "gute" Cholesterin um einige Prozent erhöhen.

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Bei der Besprechung ihrer Blutwerte beim Arzt fallen viele Menschen aus allen Wolken, weil ihre Cholesterinwerte zu hoch sind. Konkret handelt es sich dabei um das LDL-Cholesterin, das Arterien verkalkt – und in weiterer Folge zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen kann. Darauf soll am Tag des Cholesterins am heutigen 18. Juni aufmerksam gemacht werden.

Betroffenen wird zu einem gesünderen Lebensstil mit mehr Bewegung und fettarmer Ernährung geraten. Sollte das nicht ausreichen, werden Medikamente verschrieben, die das Cholesterin in einen grünen Bereich bringen sollen. Häufig sind das sogenannte Statine – sehr zum Missfallen vieler Patientinnen und Patienten, die Nebenwirkungen befürchten.

Zu Unrecht, wie der Sportmediziner und Kardiologe Josef Niebauer vom Salzburger Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin am Uniklinikum Salzburg betont. Diese Medikamente seien gut erforscht. Trotzdem wünschen sich viele im Gespräch Alternativen zu den Medikamenten. Die gebe es in vielen Fällen aber nicht, betont Niebauer.

Mehr "gutes" Cholesterin

Auf dem Standpunkt bleibt der Sportmediziner sogar dann, wenn ihm sein Gegenüber verspricht, ab sofort Sport zu treiben. Bewegung hat viele gesundheitliche Vorteile – sie reiche aber nicht aus, um die Medikamente zu ersetzen. Zwar wirken sich Sport und Bewegung positiv auf den Cholesterinspiegel aus, allerdings bei weitem nicht im selben Ausmaß.

Aus Studien weiß man: Das sogenannte "gute" Cholesterin, das HDL, lässt sich durch 30 Minuten Ausdauersport am Tag um etwa fünf bis zehn Prozent erhöhen. "Das ist nicht unwesentlich", betont Niebauer, noch dazu lasse sich das HDL nur durch Sport erhöhen. Aber das "schlechte" Cholesterin, das LDL, lässt sich durch Sport wenig bis gar nicht beeinflussen.

Entmutigen sollte man sich davon aber auch nicht lassen. Denn auch wenn sich die LDL-Werte durch Bewegung allein nicht groß verändern, führt körperliches Training zu einer Verbesserung der Funktion der Gefäße. Es wird erschwert, dass Zellen, die mit dem LDL-Cholesterin beladen sind, an die Gefäßwand andocken und ihr LDL in der Gefäßwand ablagern. So wird der Plaque-Bildung, also dem Ablagern von Cholesterin in der Gefäßwand, vorgebeugt, die schädliche Wirkung des Cholesterins auf die Gefäße somit reduziert.

Änderung des Lebensstils

Außerdem hat Sport auch noch über ein paar Umwege Auswirkung auf die Cholesterinwerte: Bewegung geht oft mit einer Lebensstiländerung einher, betont Niebauer. Wer mit Sport anfängt, überlegt sich sehr häufig plötzlich genauer, was und wie viel man isst. Dadurch ernähren sich viele plötzlich fettärmer, was ihnen wiederum beim Abnehmen hilft – und dadurch verbessern sich langfristig auch die Cholesterinwerte.

Zwar spielt bei den Cholesterinwerten auch die Genetik eine Rolle. "Aber dahinter verstecken sich viele gern", sagt Niebauer. "Bei den meisten sieht man schon den Effekt von fettarmer Ernährung", erzählt er. Etwa bei einem jungen, gesunden Kraftsportler, der einen viel zu hohen LDL-Wert hatte – und der, wie sich herausstellte, jeden Tag zum Frühstück vier Eier aß. Als er seine Ernährung umstellte, fielen auch die Cholesterinwerte.

Gar nicht verkehrt also, über die eigenen Cholesterinwerte Bescheid zu wissen. Nicht nur am Tag des Cholesterins. (Franziska Zoidl, 18.6.2021)