Ein Großteil der getrennt gesammelten Alttextilien wird weiterverkauft.

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Beim nächsten Umzug oder spätestens beim großen Frühjahrsputz ist es so weit: Sie sortieren Ihre Kleidung aus. Der schnellste Weg, sich von alten Lieblingsteilen zu trennen, scheint oft, die "paar Sachen" einfach in den Restmüll zu werfen. Doch genau das ist der falsche Weg. "Was an Textilien im gemischten Restmüll landet, ist derzeit für eine Wiederverwendung und Recycling verloren", sagt Brigitte Karigl. Sie leitet den Schwerpunktbereich Kreislaufwirtschaft im Umweltbundesamt. Sie betont, wie wichtig es ist, Altkleider und Schuhe in Altstoffsammelzentren und in Sammelcontainern gewerblicher oder karitativer Anbieter zu entsorgen.

Im Jahr 2019 sind in Österreichs Haushalten bereits 40.500 Tonnen Textilien so getrennt gesammelt worden. Dazu kommen noch rund 16.700 Tonnen an gewerblichen Textilabfällen. Doch viel Textilmüll versteckt sich im Restmüll. Eine Analyse aus der Steiermark zeigt, dass etwa vier Prozent des sogenannten "gemischten Siedlungsabfalls" Textilien sind. Was nach wenig klingt, sind hochgerechnet auf Österreich immerhin rund 60.000 Tonnen.

Vom Shirt zum Putzlappen

Getrennt gesammelte Textilabfälle landen bei Anbietern wie Humana People to People. Eine Studie des Umweltbundesamtes für die Entwicklungshilfeorganisation von 2018 hat gezeigt, dass rund zwei Drittel der gesammelten Textilien in die Kategorie "Reuse" fielen. Das bedeutet, dass sie tragbar waren und im In- beziehungsweise Ausland weiterverkauft werden können. Rund 23 Prozent der gesammelten Textilien wurden recycelt: Aus alten Anziehsachen wurden etwa Putzlappen, Teppiche oder Dämmmaterial. Knapp zehn Prozent der gesammelten Textilien wurden entsorgt. "In Österreich gehen sie nicht auf die Deponie, sondern werden thermisch verwertet", sagt Karigl.

Insgesamt steigt das Aufkommen an Textilabfällen. Im Jahr 2018 sind rund 37.700 Tonnen getrennt in Haushalten gesammelt worden, 14.700 Tonnen in Nichthaushalten. Die Kreislaufwirtschaftsexpertin sieht seit 2015 einen deutlichen Anstieg: "Das hängt auch damit zusammen, dass ein größeres Augenmerk auf die Erfassung und den Überblick der Menge gelegt wird." Es sei aber auch so, dass immer mehr Textilien verkauft werden. Grund dafür ist Bevölkerungswachstum und steigender individueller Konsum. "Das spiegelt sich in einem gewissen Ausmaß auch im Abfallaufkommen wider", sagt Karigl. Im Fast-Fashion-Bereich seien die Textilien oft sehr günstig, seien aber nicht auf eine lange Nutzung angelegt.

Die Herstellung von Textilien ist ressourcenintensiv.
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Ab 2025 EU-weit getrennte Textilsammlung

Gleichzeitig ist die Herstellung von Textilien ressourcenintensiv. Ein Baumwolle-T-Shirt benötigt zur Herstellung laut dem Europäischen Parlament etwa 2.700 Liter Süßwasser – eine Menge, die ein Mensch in 2,5 Jahren trinkt. Zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen entfallen auf die Herstellung von Textilien. Das sind mehr als internationale Flüge und Schifffahrt zusammen ausmachen. Dazu kommt Verschmutzung der Gewässer durch Mikrofasern von Synthetikkleidung.

Im Aktionsplan Kreislaufwirtschaft der EU wird die Textilbranche deshalb als einer der Schlüsselbereiche genannt. Das bedeutet, dass hier alle Phasen der Wertschöpfungskette – von Planung über Herstellung bis hin zur Entsorgung – auf Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit geprüft werden müssen. Laut einer 2018 beschlossenen Abfallrichtlinie müssen außerdem ab 2025 alle EU-Mitgliedsstaaten Textilabfälle getrennt sammeln.

Differenzierung nach Einkommen

Auch Österreich arbeitet gerade an einer Strategie für Kreislaufwirtschaft. Eine mögliche Herstellerverantwortung werde laut Karigl fachlich diskutiert.

Für sie ist aber eine andere Herausforderung essenziell: "Die Frage nach dem Recycling von Textilfasern, mit denen man wieder neuwertige Kleidungsstücke machen kann: Das halte ich für einen zentralen Punkt." Da gebe es trotz Pilotprojekten in dem Bereich aber noch "einigen Forschungs- und Entwicklungsbedarf".

Der Expertinnen-Tipp für jene, die in ihrem Alltag Textilabfälle vermeiden wollen, setzt schon weit vor der Entsorgung an: "Nicht im Überschuss kaufen". Karigl rät zu hochwertigen Textilien, an denen auch kleinere Reparaturen durchgeführt werden können und die gut waschbar sind, ohne ihre Form zu verlieren. Die Mitarbeiterin des Umweltbundesamtes differenziert dabei zwischen jenen Konsumenten, die günstige Kleidung doppelt und dreifach kaufen können, und jenen, die sich nur Fast Fashion leisten können. Die Expertin verweist dabei auf Ergebnisse des CO2-Fußabdrucks, die zeigen, dass jene mit niedrigem Einkommen weniger zur CO2-Belastung beitragen als jene mit höherem.

Ob günstige Fast Fashion oder teures Designerstück: "Aus Sicht der Kreislaufwirtschaft wäre es optimal, wenn Textilien gar nicht erst in die Abfallschiene kommen", sagt Karigl. Wer seine Kleidung entsorgen will, solle sich überlegen, ob er es nicht weiterverkaufen oder -verschenken kann. So findet das eine oder andere frühere Lieblingskleidungsstück vielleicht ein neues Zuhause bei Lieblingsmenschen. (Ana Grujić, 14.9.2021)