Lange Zeit musste sich das Auto in der Parkposition befinden, um Spiele spielen zu können.

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Im Sommer präsentierte Elon Musk das neue Tesla Model S Plaid, dessen Entertainmentsystem die "Power einer Playstation 5" haben – und deshalb selbst das Spielen von Blockbuster-Games erlauben soll.

Kleinere Spiele haben auch die anderen Modelle des Elektroautobauers an Bord. Ungefährlich soll das nicht sein, berichtet die "New York Times" (NYT). Denn selbst wenn der Fahrer allein im Auto sitzt, lassen sich die Videospiele während der Fahrt starten und spielen. Zur Auswahl stehen "Solitaire", "Sky Force Reloaded" und "The Battle of Polytopia: Moonrise".

Installiert wurden die Games im Rahmen eines Software-Updates, das im Sommer an die meisten Fahrzeuge des Unternehmens verteilt wurde. Gespielt wird über das Dashboard, das in Teslas aus einem großen Touchscreen in der Mittelkonsole besteht. Dass sie während der Fahrt gespielt werden können, ist seit dem Update neu, bisher musste sich das Auto in der Parkposition befinden.

Eigentlich für den Beifahrer

Zwar wird beim Start ein Hinweis angezeigt, dass nur der Beifahrer spielen soll, dieser kann jedoch weggeklickt werden. Eine Art Kontrolle gibt es nicht. "Es ist sicher ein großes Problem, wenn im Blickfeld des Fahrers gespielt wird", sagt Jonathan Adkins, Direktor der Highway Safety Association im US-Bundesstaat Oregon, gegenüber den Berichterstattern.

Cf Tesla

Es gibt wenige Funktionen, die Tesla so stark bewirbt wie den eigenen Autopiloten. Dieser soll das Auto eigenständig lenken, beschleunigen und bremsen können. Der Autobauer erntet allerdings seit längerem Kritik von Sicherheitsexperten, weil Fahrer für längere Zeit die Hände vom Lenkrad nehmen können – obwohl sie das eigentlich nicht dürfen.

Ein schwerer Unfall

Laut einer Meldung an die US-amerikanische National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat die "Full Self-Driving"-(FSD)-Beta Anfang November einen schweren Unfall verursacht. Ein Model Y war beim Abbiegen in die falsche Spur gewechselt und hat sich gegen die Interventionen des Fahrers zur Wehr gesetzt. Es kam zu einem Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug und schweren Beschädigungen. Verletzt wurde damals niemand.

"Die NHTSA ist über die betreffende Verbraucherbeschwerde informiert und steht in Kontakt mit dem Hersteller, um zusätzliche Informationen zu sammeln", bestätigt ein Sprecher der Behörde den Vorfall.

Seit 2016 sollen laut der "NYT" bisher zwölf Verkehrstote auf das Wegschauen von der Straße und das freihändige Fahren von Tesla-Lenkern zurückzuführen sein, die den Autopiloten aktiviert hatten. Videospiele hinzuzufügen "schreit förmlich danach, dass die NHTSA eine Anleitung und Regulierung bereitstellt", sagt Adkins.

Videoaufnahmen

Ende November wurde bekannt, dass alle, die weiterhin an der FSD-Beta teilnehmen wollen, sich künftig filmen lassen müssen. Im Falle eines Sicherheitsrisikos kann Tesla dann auf Bildmaterial vom Innenraum und Außenbereich zugreifen. Neu ist dabei, dass Videoaufnahmen nicht mehr anonymisiert werden, sondern mit einer Person und deren Fahrzeug in Verbindung gebracht werden. (mick, 8.12.2021)