Illustration: Getty Images/ Vasja Koman

Bitte, und jetzt? Seit einigen Jahren notiere ich jeweils am Jahresende kurz, was so los ist. Und was sein könnte. Beispiel: Silvesterabend 2019: Buchkonzept geschrieben. Gewicht na ja. Endlich Abenteuerurlaube (Kinder größer). Zukunft: muss mehr Sport machen. Kindern wenigstens Gitarre beibringen. Muss Geldsachen auf die Reihe bringen.

Und dann 2020: Pandemie war. Kinder können super Englisch (viel Youtube). Gewicht Katastrophe. Buch nicht geschrieben. Komische Urlaube (Maske, anstellen am Buffet wie am Flughafen). Zukunft: Impfung kommt. Neuanfang. Sport mit Kindern finden. Buch schreiben. Geldsachen auf die Reihe bringen.

So, und jetzt 2021: dritter Booster, Kinder geimpft und deprimiert. A, S u. U tot. R Long Covid. Freundschaften: minus 4. Gewicht: ja (eigener Kasten für alles, was zu klein ist). Buch: haha. Geld: schwitz. CBD-Tropfen entdeckt. Zukunft: Omikron.

Wo sind wir gerade, und was machen wir jetzt? Viele ringen um ihre Existenz. Andere sind seit einem Jahr beleidigt, weil sie in der U-Bahn eine Maske tragen müssen. Bedrohte Virologinnen ziehen um, gehen mit Perücken außer Haus. Demos mit Leuten unter Duschhauben mit schweren Stiefeln, um Impfüberfällen aus der Luft und dem Kanal zu trotzen. Geborgen in ihrer Hysterie. Einige davon sind Immunsystemchampions, die sich Tees besorgen, zum Beispiel aus dem Norden Europas von dem indigenen Volk der Samen, damit kann dann echt nichts passieren. Manche nehmen Entwurmungsmittel und sterben. So was lässt einen nicht kalt, so gern man das ignorieren würde.

Daneben gibt es noch die mit dem Fingerspitzengefühl im Ellbogen, sie sind harmlos, aber empörend. Wie der eine bekannte Künstler, der sich zufrieden zeigt ob der Pandemie, weil er sein ruhiges Leben genießt in seiner Luxushütte. Es hilft aber, sich eine große Pfanne vorzustellen, die sich mit Tempo auf seine entschleunigte Birne senkt. Und wir sind da, wo der eine Arbeiter nicht mehr kommt, um fertig auszumalen, weil er sich nicht impfen lassen will. Er darf nicht, weil die Oberhexe seines Landes die Impfung verboten hat. Deswegen geht er zurück nach Rumänien, denn für ihn ist es Fakt: Lässt er sich nicht impfen, kriegt er keine Jobs in Österreich. Und wenn er sich impfen lässt, ist er tot. Lässt mich auch nicht kalt, dem geht es nicht gut.

Es geht zu wie am Semmering, ein Tunnel nach dem anderen kommt daher, mit immer neuen Lichtern am Ende.

Und Omikron wird die Demutsübung für die, die versuchen, resilient zu sein, mit Würde durch diese Zeit zu kommen.

Wie im Film

2021 war wie 2020, Director’s Cut. Man hat aber jetzt den Film besser verstanden, der da grade abläuft. Es ist, wie diese Serie auf Netflix anzuschauen: You vs. Wild mit Bear Grylls. Der heißt eigentlich Edward Grylls, aber Bear ist besser fürs Abenteuerimage. Bei Edward denkt man womöglich, er kämpft mit einem Teelöffel gegen ein Stück Kandiszucker. Er besteht Abenteuer in der Wildnis, und man kann wählen, wie er das tut. Beispiel: Er sucht eine verschwundene Forscherin auf einer Insel. Er steht auf einem Strand. Man wählt, ob er einen Flusslauf entlanggeht oder sich in Richtung Dschungel aufmacht. Wählt man den Fluss, stößt er auf Krokodile. Dort wählt man, wie er sie umgeht oder auch sie direkt konfrontiert. Im Dschungel kommt er an einen Abgrund. Man wählt, ob er sich mit Lianen drüberschwingt oder hinunterkraxelt. Stürzt er ab, bricht er sich das Genick? Viele Wege führen zu der verletzten, dehydrierten Wissenschafterin, die er schließlich auffindet, ich spoilere nicht, ob sie’s überleben wird, sie, die Figur in der Kinderserie.

Also probiere ich es jetzt so. Leben von Stunde zu Stunde. Ausgangslage völlige Lähmung plus müde. Vielleicht gehen die Kinder ab 10. Jänner in die Schule und ihr Vater hat seine Kabarettpremiere am 11. Jänner. Danach wird es spannend. Kommt ein Lockdown, ist weiter Schule, und ich warte einfach, bis die schier unvermeidliche Quarantänesituation eintritt. Der Vater meiner Kinder hat dann viel Zeit, aber ist deprimiert, weil er ein Jahr Arbeit für genau drei Gigs investiert hat, und langsam wird das mit der Kohle unlustig. Daher arbeite ich einfach mehr, ist halt so. Werde mich bemühen, nicht zu grübeln. Weniger Nachrichten zu schauen.

Bleibt alles, wie es ist, könnten die Kinder wieder in Sportvereine gehen, Taekwondo oder Volleyball, damit sie sich vor lauter Aggression nicht spazierenwatschen. Oder aber man plant für jeden Tag ein bisschen Wienerwald da, ein wenig in den Park dort. Werde die neuen AirPods verwenden, um das Gemaule zu muten, sehr gute Funktion. Halluziniere dabei dann über Palmenstrände und diese Leichtigkeit von damals, als man sich in eine Bar gesetzt und ein Getränk bestellt hat. Und den Sitznachbarn gefragt hat, wie er heißt, einfach so, bei lebendigem Leibe, von Angesicht zu Angesicht, ohne Virus im Kopf.

Es wird die Tage geben, in denen Großes veranschlagt war oder wenigstens Normales und die damit enden, dass man nur den Geschirrspüler ausgeräumt hat. Ich werde üben, damit sehr zufrieden zu sein. Wir wissen nicht, was sein wird und wie das dann geht. Und nun der Eins-a-Resilienztipp: währenddessen ausschließlich lustige Filme konsumieren, die mir empfohlen wurden, bloß nicht nur den Blues leben. Ich habe dazu eine Umfrage gemacht und zähle auf.

Die Liste mit Spaßgarantie

Monty Python – Der Sinn des Lebens,Das Leben des Brian, Die Ritter der Kokosnuss. What We Do in the Shadows, The Big Lebowski, Der Partyschreck, Some Like It Hot, Mel Brooks – Die verrückte Geschichte der Welt, Fear and Loathing in Las Vegas, Jerry Lewis – The Disorderly Orderly oder Cinderfella, Galaxy Quest, Ernst Lubitsch – Sein oder Nichtsein,Wasser – Der Film, Billy Wilders Eins, zwei, drei, Fantomas, Superbad, Ein verrückt genialer Coup, Suicide Squad, Little Miss Sunshine, Bowfingers große Nummer, There’s Something About Mary, A Fish Called Wanda, Woody Allen – Die letzte Nacht des Boris Gruschenko, Curly Sue, Hasch mich, ich bin der Mörder, Spaceballs, Benny & Joon, Why Him, Austin Powers, Anchorman, Step Brothers, David Brent – Life on the Road, Louis de Funès – Oscar, Indien, Und täglich grüßt das Murmeltier, Wer früher stirbt ist länger tot, Dead Men Don’t Wear Plaid, This is Spinal Tap, Midnight Run, Ishtar, Sexmission (polnisches Original Sexmisja), Loriot – Pappa ante portas und alles andere auch, Die Abenteuer des Rabbi Jacob, Mäusejagd (Christopher Walken), Idiocracy, Inspector Clouseau, Zoolander (nur Teil 1), The Producers, Le dîner de cons (Dinner für Spinner), Dark Star, Die tolldreisten Streiche des Marchese del Grillo, Tropic Thunder, You Don’t Mess with the Zohan, alles von Jacques Tati, Der Hofnarr (wegen des Bechers mit dem Fächer). Und nicht zuletzt: Don’t Look Up.

Ansonsten Musik machen und Musik hören.

Gern geschehen. Alle sollen es gut haben. (Heidi List, 31.12.2021)