Wir erleben gerade die Abbauprodukte der glorreichen türkis-blauen Koalition. Ex-Kanzler Sebastian Kurz wird "globaler Stratege" bei einem rechten US-Fantastilliardär mit sehr eigenen Ansichten über Vorteile von Ein-Mann-Hightech-Herrschaften gegenüber der Demokratie. Passt irgendwie.

Ex-Kanzler Kurz arbeitet künftig bei einem Trump-Fan, Ex-Innenminister Kickl relativiert in der ZIB2 den Nationalsozialismus.
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Der ehemalige Innenminister dieser Koalition hingegen, Herbert Kickl, befindet sich auf einem Trip, wegen dessen Wirkungen und Nebenwirkungen er dringend einen Arzt oder Apotheker zurate ziehen sollte. Nicht nur, dass er wider alle Evidenz unbeirrbar das Pferdewurmmittel Ivermectin (im Netz "Wiehermectin" genannt) als Corona-Mittel anpreist; Kickl verteidigt auch die Leute, die in übelster Täter-Opfer-Umkehr behaupten, der "Impfzwang" wäre gleichzusetzen mit den Leiden der Opfer des Nationalsozialismus. Diese Umdeutung in einen Opferstatus – "Ungeimpft" mit Judenstern, "Impfen macht frei" – ist ein bekanntes Mittel der Aggressoren. Auch die Nazis gaben sich ja als Opfer (des "Weltjudentums") aus. Kickl gibt dieser Perfidie auch noch eine aberwitzige Rechtfertigung: Die Impfgegner würden ja auch "ausgegrenzt", und die wollten ja mit ihrer Gleichsetzung von Völkermord und Impfen nicht den Nationalsozialismus verharmlosen.

Jeden Tag wird klarer, was wir uns seinerzeit mit dieser türkis-blauen Gesellschaft eingetreten haben und wie mühsam es ist, mit den Folgen umzugehen. (Hans Rauscher, 31.12.2021)