Novak Djokovic zieht durch. Aber nur mit Ausnahmegenehmigung.

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Aman Dahiya wird nicht an den Australian Open teilnehmen. Dem Nachwuchsspieler wurde laut indischen Medien eine Ausnahmegenehmigung verweigert. Dahiya hat als 17-Jähriger in seiner Heimat noch keinen Zugang zu einer Impfung.

Natalja Wichljanzewa wird nicht an den Australian Open teilnehmen. Die russische Doppelspielerin wurde mit Sputnik V geimpft. Der Impfstoff wird von den australischen Behörden nicht anerkannt.

Novak Djokovic wird an den Australian Open teilnehmen. Der Titelverteidiger möchte sich nicht impfen lassen, hat aber von den australischen Behörden eine Ausnahmegenehmigung erhalten.

Passt das alles zusammen? Geht es mit rechten Dingen zu? Nun, die Wut in der australischen Bevölkerung ist groß. Die Menschen plagen sich seit zwei Jahren mit Einschränkungen herum, während dem Champion der rote Teppich ausgerollt wird.

Djokovic könnte reinen Tisch machen. Sagen, was Sache ist. Es gibt wenige Gründe für eine Genehmigung: kardiologische Probleme, schwere Impffolgen, schwerwiegende Operationen in der nahen Vergangenheit – oder eine kürzlich überstandene Infektion.

Es wäre etwas überraschend, wenn die Kampfmaschine Djokovic auf dem Weg zum zehnten Titel im Melbourne Park schwer krank ist. Und über eine Infektion könnte man offen reden. Wie Rafael Nadal oder unzählige andere Profis. No big deal.

Aber Djokovic hält sich bedeckt, Privatsache. Das ist für Zuseher, Kollegen und den Rest der Welt vor allem eines: eine Provokation. Sie sehen einen abgehobenen Millionär, der sich die Dinge richten kann. Einen esoterisch angehauchten Schmähtandler, der sie auf den Arm nimmt.

Djokovic wäre so gerne der GOAT, der Greatest Of All Time, die unumstrittene Nummer eins. Seit Jahren kämpft er um Anerkennung – wohlwissend, dass die Zuneigung der Tenniswelt eher einem Roger Federer gehört. Wer auf den Königssessel will, braucht neben Trophäen auch soziale Kompetenz. Dieser Tage hat sich Djokovic vom Thron entfernt. (Philip Bauer, 5.1.2022)