Klein, aber gefährlich: Die Gelbfiebermücke Aedes aegypti überträgt potenziell tödliche Viruserkrankungen wie Gelbfieber, Zika, Chikungunya und Denguefieber.

Foto: AP/Felipe Dana

Dass Stechmücken nerven, ist global gesehen noch das geringste Problem, das von ihnen ausgeht. Auf der Liste der für Menschen tödlichsten Tiere stehen die surrenden Winzlinge ganz weit oben: Rund eine Million Todesopfer fordern Stechmücken weltweit pro Jahr, genauer gesagt die Infektionskrankheiten, die sie übertragen. Zu den berüchtigtsten Überträgern zählt die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die potenziell tödliche Viruserkrankungen wie Gelbfieber, Zika, Chikungunya und Denguefieber weitergibt.

Längst sind die Gelbfiebermücken nicht mehr nur in ihrer ursprünglichen Heimat im südlichen Afrika anzutreffen, sondern weltweit in subtropischen und tropischen Gebieten. Nachweise gibt es inzwischen auch in Südspanien, Griechenland und der Türkei, in den USA hat sich Aedes aegypti bereits in rund 20 Bundesstaaten etabliert. In Florida wird seit Jahren versucht, die Populationen mit Insektiziden gering zu halten, dennoch kommt es immer wieder zu Infektionen. Seit einiger Zeit wird in den USA auf eine alternative Lösung gesetzt: Gentechnisch veränderte Mücken sollen dafür sorgen, dass die Moskito-Bestände zusammenbrechen.

Keine Weibchen mehr

Anfang März erteilte die US-Umweltschutzbehörde EPA dem britischen Biotech-Unternehmen Oxitec die Genehmigung, bis 2024 weitere 2,4 Milliarden seiner gentechnisch veränderten Stechmücken freizusetzen. Die Genehmigung für erste Versuche mit dieser Form der Insektenbekämpfung wurde von der Behörde bereits vor zwei Jahren erteilt. Die weiteren Insekten sollen nun in Florida, wo bereits ein Test läuft, und im kalifornischen Central Valley ausgebracht werden.

Die transgenen Moskitos sind allesamt männlich und stechen daher nicht. Sie wurden mit einem Gen ausgestattet, das sie zu Werkzeugen einer radikalen Geburtenkontrolle macht: Paaren sie sich mit wildlebenden Mücken, überleben ausschließlich die männlichen Nachkommen. Der Anteil der Weibchen schrumpft also mit jedem Paarungszyklus, die Mückenpopulationen gehen immer weiter zurück. Ein weiteres Gen soll dafür sorgen, die Insekten eindeutig zu markieren und so für Forschende identifizierbar zu machen.

Vorteile und Vorbehalte

Unumstritten ist das Ausbringen der Gen-Mücken in den USA nicht. Zum Genehmigungsantrag von Oxitec bei der US-Umweltbehörde waren im Vorfeld der Zulassung 2020 ganze 31.230 Kommentare eingegangen, von denen sich nur 56 für die Versuche aussprachen. Die US-Umweltbehörde nahm in einer Studie zu den Kommentaren Stellung und kam in ihrer Risikoanalyse zu dem Ergebnis, dass der Versuch "keine unangemessenen nachteiligen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt" habe.

Befürworter aus der Wissenschaft sehen den großen Vorteil, dass durch die Methode weniger Pestizide ausgebracht werden müssen und zielgerichtet ausschließlich die Bestände von Aedes aegypti dezimiert werden, ohne dass andere Insekten zu Schaden kommen. Ein Kontakt zu Menschen sei vernachlässigbar, da die Männchen nicht stechen können, auch der Mückenverzehr durch Vögel und andere Tiere sei unbedenklich. Unbehagen gibt es in Teilen der Bevölkerung dennoch.

Klimawandel verschärft die Lage

Nach Angaben der kalifornischen Gesundheitsbehörde ist die Gelbfiebermücke bereits in 21 Countys des Bundesstaats auf dem Vormarsch. Der Klimawandel beschleunigt ihre Ausbreitung: Die verheerenden Dürren der vergangenen Jahre, die mit niedrigen Wasserständen und langsam fließenden Gewässern einhergehen, haben die Mückenpopulationen gerade in bewohnten Gebieten, wo es bewässerte Gärten gibt, explodieren lassen. Doch auch zur jetzigen Erweiterung des Versuchs mit den transgenen Mücken gab es rund 13.000 Einwände.

Die Gegenstimmen beziehen sich unter anderem auf die Frage einer möglichen Wirkung von Antibiotika, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen und auch in Kläranlagen zu finden sind, auf die Mücken. Sogenannte Tetracycline könnten demnach dafür sorgen, dass sich doch auch weibliche Moskitos entwickeln – und den Sinn des Experiments unterlaufen. Die EPA hat nun entschieden, dass die Mücken nicht in unmittelbarer Nähe potenzieller Tetracyclin-Quellen freigesetzt werden dürfen. Die Ergebnisse der Tests sollen evaluiert und veröffentlicht werden, hieß es. (dare, 29.3.2022)