Das Stresslevel ist seit der Corona-Pandemie stark gestiegen, das bestätigt einmal mehr der Arbeitsklima-Index der Arbeiterkammer Oberösterreich.

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Mehr als die Hälfte der Vollzeitkräfte (54 Prozent) will laut dem aktuellen Arbeitsklima-Index der AK Oberösterreich weniger Stunden als vertraglich vereinbart arbeiten. Seit 25 Jahren ist der AK-Arbeitsklima-Index Stimmungsbarometer für die Beschäftigten. Und in den vergangenen 25 Jahren war die Stimmung nie so schlecht, wie sie derzeit ist. Der Optimismus der Beschäftigten gegenüber der betrieblichen wie auch gegenüber der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist stark gesunken, zeigt die Auswertung.

Trotz dieser gedämpften Erwartungen möchten die Beschäftigten in Österreich ihre wöchentliche Arbeitszeit quer durch alle Branchen und Berufe im Schnitt um 2,6 Stunden verkürzen. Die durchschnittliche Wunscharbeitszeit der Männer beträgt 37,2 Stunden, jene der Frauen 32,2 Stunden. Gründe, die Arbeitszeit reduzieren zu wollen, sind psychischer Stress, Überstunden und überlange Arbeitszeiten sowie mangelnde Unterstützung durch die Führungskräfte.

Schlechte Stimmung

"Die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen ist in der Pandemie deutlich gesunken", sagt Reinhard Raml, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Ifes, das gemeinsam mit dem Sora-Institut die Erhebung im Auftrag der AK OÖ durchgeführt hat. Die Arbeit müsse auf immer weniger Schultern verteilt werden. Der psychische Stress hat der Erhebung zufolge seit 2019 stark zugenommen. Aufgrund dieser verstärkten Belastung wollen viele ihre Arbeitszeit verringern. "Die Leute wissen, sie würden weniger verdienen, hätten einen Einkommensverlust, und trotzdem ist der Wunsch so groß", strich AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl hervor.

Demgegenüber stehen 29 Prozent der Teilzeitbeschäftigten, die ihre Arbeitszeit gerne erhöhen würden, aber aufgrund von Betreuungspflichten nicht können. "Die Arbeitgeber müssen flexibler werden, sie brauchen nicht Pessimismus übers Land verstreuen, dass sie keine Arbeitskräfte finden", bekräftigte Stangl. Wenn die Politik vollzeittaugliche Kinderbetreuung ermöglichte, könnte man "Arbeitskräftepotenzial heben".

Von den Rahmenbedingungen ihrer Arbeit würden sich viele heute etwas anderes als vor 25 Jahren erwarten, ergänzt Stangl, nämlich flexible Arbeitszeiten, mobiles, ortsunabhängiges Arbeiten, wenn möglich ein bis zwei Tage Homeoffice, eine Viertagewoche. Und das bei fairer Bezahlung. (red)