Werner Geier ist mit nur 45 Jahren gestorben.

Porträt zur Nachlese (ALBUM, 22.5.1998)
Gemütlich dahinwursteln
von Christian Schachinger

Foto: Udo Titz
Wien – Er hätte diese Zeilen nicht gewollt. Einen Nachruf? Bloß nicht. Werner Geiers Bescheidenheit war sprichwörtlich: nur keine Aufregung um seine Person. Das Fegefeuer der Eitelkeiten, dem er als ORF-Radiojournalist, Labelbetreiber und Musikproduzent schon berufsbedingt permanent nahe war, hat ihn nie erwischt. Dass er für Mark Murphys Song For The Geese , einer Platte seines Labels Uptight, 1998 eine Grammy-Nominierung erhielt, war ihm nachgerade unangenehm.

Werner Geier ist nach langer Krankheit in der Nacht auf Dienstag gestorben. Er war 45 Jahre alt. Mit seiner Arbeit als obsessiv von Musik begeisterter Ö3-"Musicbox"-Journalist hat er eine ganze Generation von heute in diesem Land musikaffinen Menschen geprägt.

Die Mischung aus Intellekt und Herzblut, mit der der geborene Steirer Österreich etwa an das Werk seines Helden Nick Cave heranführte oder später an HipHop, hat die Musikkultur in diesem Land nachhaltig beeinflusst und verändert.

Auch dabei stellte Geier immer das Werk vor die Person, sah sich selbst nur als Vermittler. Ein Musikproduzent zu sein, also im Hintergrund zu wirken, erschien ihm optimal und erfüllte sich, als ihm mit der Wiener Formation HipHop-Finger und der Sängerin Leena Conquest der internationale Hit Boundaries gelang und er in Folge in New York diverse HipHop-Größen produzierte. Dazu arbeitete er für Massive Attack oder die mit ihm befreundeten Stereo MCs.

Den Übergang von der Ö3-"Musicbox" zu FM4 sah der sich in druckfähigen Formulierungen Mitteilende wesensbedingt kritisch und bemängelte bis zuletzt die affirmativen Belanglosigkeiten des Senders. Seinen Arbeitsansatz beschrieb er als "mit gutem Gefühl hingeschissen". Das war insofern kokett, als es den belesenen, reflexiven Intellektuellen verleugnete, der Geier war und der ihn mit zur Ausnahmeerscheinung machte. Um Werners Liebenswürdigkeit zu beschreiben, dafür reicht der Platz hier nicht aus. (flu / DER STANDARD, Printausgabe, 14.11.2007)