Menschen aus ganz Österreich haben sich vergangenen Samstag zum politischen Diskurs im Rahmen von "Österreich spricht" getroffen. Wie das Gespräch erlebt wurde, worüber sie gesprochen haben und was sie für sich mitnehmen, haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aktion verraten.

Wie haben Sie das Gespräch erlebt?

War es eine konstruktive Diskussion? Welche Erwartungen hatten Sie – und wurden diese erfüllt? Hat das Gespräch bei Ihnen mehr Verständnis für politisch Andersdenkende bewirkt? Was nehmen Sie für sich persönlich aus dem Treffen mit?

Zum Thema

Sowohl Albert Botka als auch Gerhard Kriechbaum wollen den Gedankenaustausch fortsetzen. Denn "im Alltag spricht man sonst nicht so gezielt über Themen, die einen bewegen. Es tut gut zu erfahren, dass es im gespaltenen Land Menschen mit einer ähnlichen Wertebasis gibt."

Foto: Albert Botka

"Für mich war es ein Gespräch mit einer Vertreterin der jungen Generation und die erfreuliche Erkenntnis, dass diese durchaus gleich tickt. Das lässt mich hoffen, dass die Zukunft Europas, eines ausgewogenen sozialen Miteinanders noch nicht verloren ist", so lautet Brigitte Groihofers Fazit nach dem Treffen mit Franziska Favry.

Foto: Brigitte Groihofer

Stefan Spasojevic berichtet über sein Treffen mit Theresa Gillinger: "Bei dem Thema, ob unsere Gesellschaft junge Mütter verlangt, ihre Karriere für die Kindererziehung hintenanzustellen, gab es natürlich unterschiedliche Ansichtspunkte. Da ich dieses Thema aus der Perspektive eines Unternehmens gesehen habe und dementsprechend meine Argumente zum Ausdruck gebracht habe, fanden wir nichtsdestotrotz relativ schnell eine gemeinsame Wellenlänge, woraufhin beide was Neues mitnehmen konnten."

Foto: Stefan Spasojevic

Trotz aller Gemeinsamkeiten "war es ein sehr intensives und anregendes Gespräch, in dem wir uns über Gott und die Welt unterhalten haben", fasst Alexander Polansky sein Treffen mit Peter Koller zusammen.

Foto: Alexander Polansky

"Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass die meisten der zu behandelnden Themen zu komplex sind, um sie schlicht mit Ja/Nein zu beantworten. Genau diese Problematik sehe ich auch in der Gesellschaft. Entweder man ist 'Gutmensch' oder 'Nazi'. Meine Meinung zu den einzelnen Themen hat sich nicht geändert, wurde aber durch durch neue Eindrücke und Informationen bereichert", lautet Simon Kleins Fazit von seinem Gespräch mit Stefan Sabler.

Foto: Simon Klein

Philipp Marschall über sein Treffen mit Emilie Marolf: "Gemütliches Gespräch zwischen verschiedenen Ansichten und Prioritäten, aber immer auf Augenhöhe und respektvoll."

Emilie Marolf

"Spannend waren die unterschiedlichen Schattierungen, die anderen Blickwinkel. Für mich war die größte Erkenntnis, dass man sogar auf die momentane politische Wirklichkeit mit Wohlwollen, Optimismus und Engagement reagieren kann", lässt Michael Pöltl sein Treffen mit Andreas Egger Revue passieren.

Foto: Michael Pöltl

"Nettes Gespräch mit einem intelligenten, höflichen Herrn! Inspirierend in persönlicher Hinsicht." – so hat Angelika Pauer ihr Gespräch mit Werner Schrittesser erlebt.

Foto: Angelika Pauer

Sonja Tomandl und ihr Gesprächspartner Anton Weichselbraun waren bei den Themen "Islam", "Familienpolitik" und "Rauchen" nicht ganz einer Meinung.


Foto: Sonja Tomandl

"Wir waren uns bei einigen Punkten erstaunlich einig, bei Fragen der Migrations- und Integrationspolitik überhaupt nicht. Diesbezüglich war interessant, dass wir im Grunde die selben Probleme und Ursachen identifiziert haben, aber in Punkto möglicher Lösungen und deren Erfolgsaussichten sehr unterschiedlicher Meinung waren. Wolfgangs tiefgreifende Menschlichkeit und grundsätzlicher Optimismus spiegeln wohl seinen freundlichen und offenen Charakter wieder und waren ein deutlicher Kontrast zu meiner vergleichsweise pessimistischen – hobbesianischen – Weltsicht. Was blieb war ein interessantes Gespräch mit einem intelligenten, höflichen und geduldigen Menschen, für welches ich dankbar bin", so Ben Rahos positives Fazit seines Gesprächs mit Wolfgang Lindenthal.

Foto: Ben Raho

Obwohl sie grundsätzlich einer Meinung waren, "war es trotzdem erfrischend ein tiefgründiges Gespräch zu führen und sich auf einem hohen Niveau mit jemand Fremden zu unterhalten und komplett den Small Talk zu überspringen."

Foto: Stefanie Hirschhofer

Andreas Stiftinger erzählt über sein Gespräch mit Jürgen Heib-Podroschko: "Prinzipiell waren wir sehr oft einer Meinung, mit leicht unterschiedlichen Detail-Sichtweisen. Hier hätte ich mir zwar einen konträreren Gesprächspartner gewünscht, bin aber froh, diesen interessanten Menschen kennengelernt zu haben."

Foto: Andreas Stiftinger

Beim Thema "Rauchen in Lokalen" und "Massentierhaltung" waren sich Sandra Schuppach und Walter Grünsteidl schnell einig, einzig der Islam ließ für beide noch Fragen offen – daher werden sie sich sehr bald wieder treffen und weiter sprechen.

Foto: Sandra Schuppach

"Ein sehr anregendes Gespräch über Politik, Kunst, Kultur und das Leben" führten Alois Johann Oberschmidleitner und Anneliese Obermair.

Foto: Alois Johann Oberschmidleitner

Bei drei Punkten kam es beim Treffen von Eva Rosina und Andreas Stein zu intensiven Diskussionen: "Willkommenskultur", #MeToo und Linkssein allgemein. Sie berichtet: "Andreas hat nach ein paar wohl bewusst provokanten Aussagen den Stempel eines ehemals linken Mannes von mir bekommen, der sich jetzt von Political Correctness, Queerfeminismus und so weiter bedroht fühlt – ein typischer Pilz-Wähler für mich. Zwischenzeitig hatte ich sogar das Gefühl, mit meinem Vater zu diskutieren, aber mit mehr Respekt und daher sinnvoller. Den Stempel ist Andreas durch genauere Erklärung wieder losgeworden! Umgekehrt hoffe ich, den Stempel der Realitätsferne in dem doch noch spannenden Gespräch losgeworden zu sein. Wir hatten dann noch Zeit, über Gesprächskultur, Toleranz gegenüber Intoleranz und Linkspopulismus zu reden. Sehr gute Erfahrung!"

Foto: Eva Rosina

Zwei angenehme Stunden bei leichter Diskussion und bestem Wetter über den Dächern von Graz verbrachten Markus Meschik und Walter Vojta miteinander.

Foto: Walter Vojta

Jasmin Ceresna und Nikola Metikos unterhielten sich unter anderem über Religion und die sogenannten christlichen Werte. Einig waren sie sich bei der Frage Karriere vs. Kindererziehung: "Nicht nur Frauen werden hierbei an Karriere gehindert, Männer die es versuchen wahrscheinlich sogar noch mehr."

Foto: Jasmin Ceresna

"Es war eine spannende Erfahrung jemand bisher Unbekannten zu treffen um über Politik und andere Themen zu sprechen", so Walter Simankos Fazit von seinem Treffen mit Wolfgang Horak.

Foto: Wolfgang Horak

Ernestine Kastner berichtet von ihrem Gespräch mit Stefan Dunky: "Natürlich hat uns auch das allgegenwärtige Thema 'muslimischer Glaube' beschäftigt. Hier vertrat Stefan die Meinung, dass der Islam im Prinzip eine weltoffene Religion sei und nur die fundamentalistischen Auslegungen beziehungsweise Traditionen der verschiedenen Völker zu dem Bild führen würden, das wir Europäer vom Islam haben. Doch noch eine kleiner Meinungsunterschied, da für mich die Begriffe 'weltoffener Glaube' und 'Islam' nicht vereinbar sind."

"Ich konnte aus der Diskussion einige Anregungen und Gedanken mitnehmen, fand den Altersunterschied sehr positiv", so Stefan Dunky.

Foto: Stefan Dunky

"Unser Gespräch drehte sich um viele aktuelle politische Problem, insbesondere auch um die Bildungspolitik. mein Gesprächspartner, Herr Heitzinger ist pensionierter Lehrer, ich bin allein erziehende Mutter eines "schwererziehbaren" Jungen – somit hatten wir uns gerade bei diesem Thema viel zu sagen. Interessanterweise waren wir uns in cirka 70 – 80 Prozent der konkreten Positionen völlig einig, und beim Rest haben wir den Standpunkt des jeweils anderen akzeptiert. Besonders beeindruckt hat mich der Optimismus, mit dem mein Gesprächspartner in die Zukunft blickt, das findet man bei der älteren Generation nicht allzu oft." So erlebte Kerrin Lessel ihr Treffen mit Max Heitzinger. (ugc, 19.10.2018)

Foto: Kerrin Lessel