Sie treten für Positionen rechter Parteien ein und ecken damit an: Manfred "Odin" Wiesinger (links) und Axel Krause (rechts).

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Der gebürtige Innviertler Odin Wiesinger studierte an der Hochschule für Gestaltung in Linz. Er ist Mitglied einer schlagenden Burschenschaft und gilt als Haus-und-Hof-Maler der politischen Rechten in Österreich.

Walter Wobrazek

Axel Krause wurde in Halle geboren. Der ehemalige Studienkollege von Neo Rauch gilt als Vertreter der Neuen Leipziger Schule. Als er seine Unterstützung für die AfD bekanntmachte, sagte sich seine frühere Galerie von ihm los. Krause lebt und arbeitet in Leipzig.

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Den Erfolgen rechter Parteien und Aktivisten stehen große Teile der Kulturbranche relativ ratlos gegenüber. Wiederholt gerieten Institutionen in jüngerer Zeit in Verlegenheit, wenn die Frage des Vordringens Rechter in das mehrheitlich linksliberal besetzte Kulturmilieu im Raum steht.

2017 wurde die Teilnahme rechter Verlage bei der Leipziger Buchmesse zum Gegenstand heftiger Debatten. In Wien geriet im Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 das Museum moderner Kunst in die Kritik, weil man dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer nahelegte, von der Teilnahme an einem Fundraising-Dinner abzusehen.

Im vergangenen Mai sorgte die FPÖ-Nominierung von Hofers "Lieblingsmaler" Odin Wiesinger für den oberösterreichischen Landeskulturbeirat für Empörung. Kurz darauf entbrannte in Deutschland eine ähnliche Kontroverse um den Maler Axel Krause, der sich offen als Unterstützer der rechten Alternative für Deutschland (AfD) bekennt und deswegen von der Teilnahme an der Leipziger Jahresausstellung ausgeschlossen wurde. Selbst vielen Linken ging das zu weit.

Gibt es eine Blaupause im Umgang mit politisch rechtsstehenden Künstlern? Dazu lohnt es, die Fälle Wiesinger und Krause differenziert zu betrachten. Denn reagiert wurde in beiden Fällen unsouverän.

Zögerliche Reaktion

Der Burschenschaftermaler Odin Wiesinger musste bereits vor seiner FPÖ-Nominierung durch eine Reihe fragwürdiger Aussagen und seine kriegsromantisierenden Landserbilder als ungeeignet für ein kulturpolitisches Gremium erachtet werden. Doch ÖVP-Landeschef Thomas Stelzer nahm die bewusste Provokation trotz Kritik aus machttaktischer Koalitionsräson hin.

Es brauchte einen Ibiza-Skandal und ein "Profil"-Interview, in dem Wiesinger u. a. Revanchegelüste ("Irgendwann seid ihr dran") und Wissenslücken bezüglich der NS-Konzentrationslager offenbarte, damit Stelzer die Reißleine zog und Wiesinger auf das Amt verzichtete. Während in Linz zu lange weggeschaut wurde, reagierte man in Leipzig hingegen überzogen.

Völlig überforderte Kuratoren

Anders als Wiesinger lässt Axel Krause seine politischen Ansichten nicht in seine Werke einfließen. Sein Bekenntnis zur AfD aber reichte aus, dass bei der kommenden Leipziger Jahresausstellung andere Künstler ihre Werke zurückzogen, um nicht neben Krause ausgestellt zu werden – ihr legitimes Recht.

Von der Situation aber völlig überfordert zeigten sich die Kuratoren, die zunächst die gesamte Schau absagten, dies dann noch einmal revidierten und einzig Krause ausluden. Dabei hätten einige Künstler für Krauses Teilnahme und eine offene politische Debatte im Begleitprogramm plädiert. Die sächsische SPD-Kulturministerin empfahl Selbiges.

Sie muss es wissen, denn die politischen Institutionen haben gegenüber den kulturellen einen Erfahrungsvorteil. Sie sind daran gewöhnt, Meinungspluralismus, auch von rechts, zuzulassen und die argumentative Auseinandersetzung zu suchen. Erlaubt ist, was auf dem Boden der demokratischen Verfassung geäußert wird. Dabei gibt es allerdings auch keine Verpflichtung für Politik und Kultur, all diesen Meinungen ein Forum bereiten zu müssen. Tolerieren kommt von dulden, nicht von umarmen.

Von Fall zu Fall entscheiden

Demokratische Redlichkeit erfordert weder, pauschal Rechtsaktivisten der Identitären einzuladen, noch, FPÖ-Kandidaten per se den roten Teppich auszurollen. Es gilt, von Fall zu Fall zu entscheiden, abzuwägen, ob und in welcher Form ein Beitrag von rechts dem Thema sachlich dienlich sein kann oder dieser auf plumpe Provokation hinausläuft.

An den digitalen Erregungskurven wird es auch in Zukunft kein Vorbeikommen geben. Die Aushandlung dessen, wer wo akzeptiert sein soll, findet nicht mehr im stillen Kämmerchen, sondern unter Beteiligung der digitalen Öffentlichkeit statt. Ein Gespür dafür, dass die Institutionen nicht vor jedem digitalen Störgeräusch in die Knie gehen müssen und somit jede Debatte im Keim erstickt, wird sich wohl erst bilden. Mutige, begründete Entscheidungen sind den Empörten jedenfalls zumutbar. Die laute Diskussion ist besser als der stumme Shitstorm. (Stefan Weiss, 19.6.2019)