Martin Ho ist Sebastian Kurz' Bro.

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Auf "zoom.institute" sollen noch elf weitere Teile einer Serie über Kurz erscheinen.

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Karl Nehammer, Generalsekretär der ÖVP, fühlt sich an die Silberstein-Affäre erinnert.

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Der Nationalratswahlkampf ist mit der ÖVP-"Schredder-Affäre" jetzt ruppig in die Gänge gekommen. Nun taucht parallel dazu eine anonyme Online-Plattform namens "Zoom" eines in der Schweiz registrierten Instituts auf, die eine zwölfteilige Serie über das "Bro-Netzwerk" des Altkanzlers Sebastian Kurz ankündigt.

Im "Netzwerk von Sebastian Kurz und Martin Ho werden exklusive Partys gefeiert, Staatsaufträge vergeben und zu Empfängen von Regierungschefs eingeladen", heißt es in der Einleitung. Im Teil eins widmet sich die Online-Seite der Freundschaft zwischen Sebastian Kurz und dem Wiener Szene- und Gastronomie-Zampano Martin Ho – garniert mit groben Untergriffen gegen Kurz. Auch von Kokain ist die Rede – diesbezügliche Anfragen hat Zoom an die ÖVP gestellt und auf Twitter veröffentlicht. Es soll ein entsprechend kompromittierendes Foto existieren, wird der ÖVP mitgeteilt.

ÖVP denkt an Silberstein

"Von unserer Seite gibt’s dazu wenig zu sagen", sagt Alexander Khaelss-Khaelssberg, der mit der Agentur Leisure Communication die Firmengruppe von Ho vertritt, im STANDARD-Gespräch. "Wir haben die Fragen ebenfalls bekommen, aber nicht beantwortet, weil wir auf die Frage nach den leitenden Redakteuren keine Antwort bekamen. Dass beide befreundet sind, ist ja kein Geheimnis." Auch nicht, dass Kurz bei der Eröffnung des Luxus-Boutiquehotels La Petite Ivy in der Nähe von Krems anwesend war.

Die ÖVP hat die Zoom-Initiative jedenfalls bereits eingeordnet: Dirty Campaigning. "Unter dem Deckmantel der Anonymität" würden Unwahrheiten veröffentlicht, "nur um Sebastian Kurz zu schaden". Erinnerungen "an die Methoden von Tal Silberstein und der SPÖ" würden wach werden, polterte ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer.

Von der FPÖ kam umgehend der Konter: "Immer, wenn es – wie etwa im Fall der dubiosen Schredder-Causa – handfeste Vorwürfe gegen die Kurz-ÖVP gibt, fällt dem Team von Sebastian Kurz nichts anderes ein, als wild um sich zu schlagen und andere Parteien anzupatzen", reagierte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. Die SPÖ hielt sich mit einer Replik zurück. Eine eigene Story über dessen "Mächtigkeit in der SPÖ" ist auch dem roten Berater Nedeljko Bilalic gewidmet.

Spur in die Schweiz

Während sich Zoom also mit Unabhängigkeit brüstet, bleibt völlig im Dunkeln, wer das Medium betreibt und finanziert: Die Internetadresse "zoom.institute" ist vollkommen anonym in Panama registriert, als Medieninhaber auf der Website wird das "Zoom Institute for Research and Analysis", ein Verein mit Sitz in Genf angegeben. Nur über einen Umweg ist seine Adresse zu finden: Es ist jene eines Coworking-Spaces in der Schweizer Stadt – dort weiß man von Zoom aber nichts.

Auf STANDARD-Anfrage an die Zoom-E-Mail-Adresse folgt eine anonyme Antwort: Die Redakteure seien "keine Personen des öffentlichen Lebens". Zehn Personen arbeiteten ehrenamtlich für das Medium. Amazon-Chef Jeff Bezos stelle Server gratis zur Verfügung, ansonsten gebe es nur ein 25-Euro-Darlehen eines Mitglieds – und die Spende eines Users in Höhe von einem Euro.

Vereine müssen sich in der Schweiz nur dann registrieren lassen, wenn sie wesentliche kaufmännische Tätigkeiten entfalten, hieß es auf STANDARD-Anfrage bei den Handelsregisterämtern in Zürich und in Genf. Eine Registrierung ist erst ab recht hohen Umsatz- oder Bilanzsummen erforderlich. (Sebastian Fellner, Harald Fidler, Walter Müller, 23.7.2019)