DER STANDARD hat sich bei den Anhängerinnen und Anhängern der SPÖ umgehört – Rendi-Wagner wird positiv gesehen
DER STANDARD

Als die neue rote Hymne dann zum dritten Mal abgespielt wird, singen die ersten SPÖ-Fans am Viktor-Adler-Markt schon mit. Pamela Rendi-Wagner ist mit Abstand die textsicherste Sozialdemokratin am Platz. Doris Bures, die Zweite Nationalratspräsidentin, überspielt mangelnde Songkenntnisse mit tänzelnden Ausfallschritten nach links und rechts, mit den Armen macht sie die Lokomotive. Das SPÖ-Kampagnen-Lied, das von "Alf und DJ Mike" eigens für Rendi-Wagner komponiert wurde, feierte am Freitagabend beim roten Wahlkampfauftakt seine Favoritener Weltpremiere.

"Popschlager" nennt sich das Genre. Der Inhalt, sinngemäß: Bei Ebbe und Flut stehen die Menschen zusammen, sie sind "gleich und verschieden", und die Menschlichkeit siegt. Zumindest auf der SPÖ-Veranstaltung zieht das. Es sind mehrere Hundert Menschen gekommen, viele schunkeln. Andere recken rote Banner ("Menschlichkeit siegt") in die Höhe und wippen mit.

Bei Ebbe und Flut stehen die Menschen zusammen.
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Deutliche Worte zum Thema Migration

Davor hat die Chefsozialdemokratin eine Ansprache gehalten. Sie ist inzwischen eine sichere Rednerin. In Favoriten ist sie aufgewachsen, das rot-blau umkämpfte Pflaster kennt sie zumindest aus ihren Kindheitserinnerungen gut. Menschen brauchen Chancen, faire Löhne, ganztägige Kinderbetreuungsplätze und leistbare Wohnungen – so der vorgetragene Kerninhalt. Beim Thema Migration wird sie für ihre Verhältnisse ungewöhnlich deutlich: Illegale Migration stoppen, Außengrenzen schützen und Integration vor Zuzug lauten drei ihrer Forderungen.

Aber natürlich ist auch Rendi-Wagner überzeugt: "Menschlichkeit siegt." Die Österreicher dürften sich deshalb nicht von Umfragen beirren lassen, in denen die SPÖ seit Wochen konstant bei 20 bis 22 Prozent liegt. Rendi-Wagner werde bis zur letzten Stunde und Minute kämpfen, ruft sie in die Menge. Ein Betrunkener mit Glatze, der im Publikum steht, fügt in seinen Bierbecher stammelnd an: "Die rote Absolute ist möglich." Er erntet dafür einen skeptischen Blick des älteren Herrn neben ihm, der dann aber auch in lauten Applaus für die SPÖ-Chefin verfällt.

Parteichefin Pamela Rendi-Wagner, die Abgeordneten Kai Jan Krainer (2. v. re.) und Petra Bayr (re.) tanzten sich für die SPÖ-Kampagne ein.
Foto: www.corn.at Heribert CORN

"Es geht um ganz, ganz viel", motiviert Bures die Menge. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig schüttelt derweil Hände auf der Favoritenstraße. Sie alle eint die Überzeugung, dass in den vergangenen 18 Monaten "das Land gespalten wurde", wie Rendi-Wagner es formuliert. "Österreich kann es besser machen", sagt sie. "Hoffentlich die SPÖ", murmelt der Betrunkene. (Katharina Mittelstaedt, 30.8.2019)