Demonstranten und Mitglieder Kataib al-Hisbollah bei Unruhen rund um die US-Botschaft in Bagdad.

Foto: REUTERS/Thaier al-Sudani

Am ersten Tag des Jahres werden Wetten angenommen, ob Ende 2020 noch US-Truppen – und die derzeitige riesige diplomatische Vertretung – im Irak sein werden: Nach dem von den Iran-gesteuerten schiitischen Milizen inszenierten Sturm auf die amerikanische Botschaft in Bagdad dürfte der nächste Schritt, um die USA hinauszuwerfen, im irakischen Parlament erfolgen. Der Iran hat kein Interesse an einer militärischen Eskalation, aber die Schlacht um den Irak wird er nicht aufgeben.

Zwischen dem Iran und den USA stand im Irak stets die irakische Regierung, auf deren Einladung die US-Armee 2014 für den Kampf gegen den "Islamischen Staat" zurückgekehrt ist. Nach den wochenlangen Protesten ist der – bereits zurückgetretene – Premier jedoch so geschwächt, dass er nicht mehr als Puffer zwischen den beiden fungieren kann. Dabei ist ihm das Hemd näher als der Rock. Am Dienstag rief er die Staatstrauer für die 25 vom US-Angriff getöteten Milizionäre aus; den hunderten toten Demonstranten der letzten Wochen, die ja auch gegen den iranischen Einfluss protestierten, wird diese Ehre nicht zuteil.

Maximaler Imageschaden

Die irakischen Sicherheitskräfte ließen sich beim Einschreiten gegen die Militanten – es waren keine "normalen" Demonstranten – vor der US-Mission am Dienstag sehr viel Zeit. Der Vergleich mit dem Sturm auf die amerikanische Botschaft in Teheran im Jahr 1979 war indes von Anfang an unzutreffend. Mit minimalem eigenem Einsatz fügten die Iraner der Supermacht in Bagdad zwei Tage lang einen maximalen Imageschaden zu, entschieden aber auch, die Sache beizeiten zu beenden.

Ob noch etwas nachkommt, bleibt zu sehen. Dass Teheran viel weiter geht, ist im Moment unwahrscheinlich. Denn die Schmerzgrenze von US-Präsident Donald Trump, der im Wahljahr bestimmt keinen Krieg brauchen kann, wollen sie eher nicht erreichen. (1.1.2020)