Sonnenbrand ist wahrscheinlich die häufigste Verletzung beim Bergsteigen und Wandern.

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Im Westen Österreichs, da wo die Berge hoch und die Luft frisch ist, lachen Einheimische gerne über Flachländer – aus verschiedenen Gründen. Einer davon: ihre schlechte Ausrüstung. Wer in die Berge geht, sollte die Gefahren dort oben nicht unterschätzen.

Das betrifft nicht nur Steinschlag, Gewitter und wilde Kühe, sondern auch die eigene Haut. "Je höher die Lage, desto intensiver die UV-Einstrahlung", warnt Gerold Felician Lang, Hautarzt in Wien. Und: Sonnenbrand ist wahrscheinlich die häufigste Verletzung beim Bergsteigen und Wandern.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Strahlungsintensität über dem Meeresspiegel alle 300 Höhenmeter um vier Prozent steigt. Wer auf einem 1.500 Meter hohen Berg steht, ist mit 25 Prozent intensiverer UVA- und UVB-Strahlung konfrontiert. Auf 3.000 Metern ist die Strahlenbelastung sogar um 50 Prozent stärker.

"Auf dem Berg daher Cremen mit einem Sonnenschutzfaktor von mindestens LPF 50 auftragen", rät Lang. Oft reiche nicht einmal das aus. Helle Hauttypen sollten auf einer Wanderung unbedingt öfter nachcremen bzw. T-Shirts eher auch dann anbehalten, wenn einem beim Aufstieg auf den Berg heiß ist.

"Unbedingt auch den Kopf bedecken, vor allem Männer mit schütteren Haaren oder Glatze", empfiehlt Lang und rät zu Hut oder Kappe. Nacken und Ohren sind besonders gefährdet für einen Sonnenbrand, weil Bergwanderende allzu oft vergessen, sie einzucremen.

Crème de la crème

Apropos Cremen: Während es am Meer ziemlich egal ist, mit welchen Produkten die Haut vor UV-Strahlen geschützt wird, zählen in den Bergen sehr substanzielle Dinge. Allen voran sollten sich Alpinisten über die Konsistenz einer Sonnencreme Gedanken machen. Für den Berg geeignete Produkte sind schweißresistent.

Ein Tipp: Niemals den Sonnenschutz über die Brauen schmieren! Denn dann rinnt er in die Augen, brennt und verdirbt einem das schönste Panorama. Und noch etwas: Fettige Hände durchs Eincremen sind beim Wandern auch eher unangenehm. Die Lösung: Sonnenschutz-Sticks oder – noch besser – Sprays, sie kühlen auch gleichzeitig.

Vor allem für Kletterer, die sich an Seilen festhalten, können rutschige Hände sogar richtig gefährlich werden. Wichtig ist auch eine handliche Verpackung, die in einer kleinen Seitentasche des Rucksacks Platz haben sollte.

Zeit für Sonnenschutz

Einschmieren sollte man sich eine halbe Stunde vor dem Abmarsch, dann erst wirkt der Sonnenschutz, und ab elf Uhr sollte man entweder nachcremen oder überhaupt ganz aus der Sonne. Zwischen Mittag und 15 Uhr ist die UV-Strahlung durch den Einfallswinkel besonders stark. Wer es irgendwie schafft, sollte also um die Mittagszeit entweder noch in einem Wald, schon auf der Hütte oder wieder unten im Tal sein.

Wer all diese Ratschläge zum Hautschutz sportlich in den Wind schlägt, wird eines Tages von einem Hautarzt wie Gerold Lang Worte wie Basaliom, Plattenepithelkarzinom oder Melanom hören müssen – allesamt Krebsdiagnosen, die durch zu intensive Sonne entstehen.

"Es kommt zudem zu einem Selbstmord der Pigmentzellen", sagt Lang und meint kleine, weiße Flecken oder Rötungen, die nicht mehr verschwinden. Was in der guten Bergluft unter der Höhensonne uneingecremt noch passiert: Die elastischen Fasern unter der Haut gehen kaputt, solare Elastose ist ein anderes Wort für faltige, wettergegerbte Haut.

Wer das verhindern will, schmiert sich übrigens auch bei weniger strahlendem Wetter ein – UV-Strahlung in den Bergen schafft es auch durch Wolken- und Nebeldecken. Auch das wissen Großstädter nicht immer. Das wird sie eines Tages alt aussehen lassen. (Karin Pollack, RONDO, 27.7.2020)

Eine Auswahl an Produkten:

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La Biosthétique Soleil Stick Solaire. 18,50 Euro

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Shiseido Clear Stick UV Protector. 32 Euro

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Nivea Dry Protect Creme Gel. 13,99 Euro

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Bioderma Atoderm SOS Spray. 25 Euro

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Lancaster Nude Skin Sensation. 31 Euro

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Ultrasun Sports Spray. 30 Euro