Warum gilt Muhammad Ali als größter Sportler aller Zeiten? Weil er mit unvergleichlicher Eleganz Triumphe im Boxring feierte und über ein erstaunlich flottes Mundwerk verfügte? Auch, aber längst nicht nur. Ali setzte sich für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner ein und verweigerte den Wehrdienst: "Kein Vietcong hat mich jemals Nigger genannt!" Ein Satz, wuchtiger als jeder Kinnhaken.

Die Milwaukee Bucks traten aus Protest nicht zum Playoff-Spiel an.
Foto: AP Photo/Ashley Landis

Nun begeben sich also die NBA-Stars der Milwaukee Bucks auf Alis Spuren. Die Basketballprofis protestieren mit einem Spielboykott gegen die anhaltende Polizeigewalt in den USA. Dem Streik der Korbjäger schlossen sich Fußballer, Baseballer und der Tennisstar Naomi Osaka an. Die Botschaft ist so klar wie eindeutig: Genug ist genug.

Über Jahre hinweg galt der Leitsatz, dass Sport und Politik strikt zu trennen sind. Diese Maxime wurde von Institutionen gepredigt, die an der reibungslosen Umsetzung ihres Milliardengeschäfts interessiert sind. Aber so einfach lässt sich der Sport nicht mundtot machen. Er hat nicht die Pflicht, aber sehr wohl das Recht, sich zu äußern.

Ein Streik ist kraftvoller als ein auswendig gelernter Slogan. Er übt Druck aus – auf die Wirtschaft, auf die Politik, auf die Entscheidungsträger. Dabei gehen die Profis aufs Ganze, sie riskieren, etwas zu verlieren. Spiele, Geld, einen Titel. Vielleicht sogar ihren Job, wie der bei der US-Hymne kniende Footballprofi Colin Kaepernick. Das wird ein enges Match. (Philip Bauer, 27.8.2020)