Mit Öl und Gas ist kein Staat mehr zu machen. Das haben inzwischen viele realisiert, auch in der teilstaatlichen OMV. Ob aus Überzeugung oder durch gesellschaftlichen Druck, weil das Verbrennen fossiler Energieträger immensen Schaden anrichtet – geschenkt. Deshalb ist es richtig, dass die OMV Anfang des Jahres ihr Produktionsziel von 600.000 Fass (je 159 Liter) am Tag auf 480.000 zurückgenommen hat. Ein Schritt, dem weitere folgen müssen.

Mit Öl und Gas ist kein Staat mehr zu machen, weiß man auch bei der OMV.
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Ganz ohne Öl und Gas wird es aber auch nicht gehen. Das weiß hoffentlich auch der künftige OMV-Chef, auf den eine Herkulesaufgabe wartet: Österreichs größten Industriekonzern mit Umsicht in das postfossile Zeitalter zu bugsieren. Die Zurufer sind zahlreich und laut. Raus aus Öl und Gas, rein in erneuerbare Energien klingt gut und ergibt in Teilbereichen auch Sinn, etwa wenn es um die Deckung des Eigenstrombedarfs geht. Strom zu produzieren, um ihn dann in großem Stil zu verkaufen, machen andere schon länger und können es folglich auch besser.

Öl und Gas nicht zu nutzen, etwa als Ausgangsmaterial für Kunststoffe, wäre unverzeihlich: kein Windrad, kein Solarpaneel und auch kein Kabel zum Transport von Ökostrom, in dem nicht Kunststoffe stecken. Damit kann die OMV jene Kohle verdienen, die für den Umbau in ein möglichst CO2-neutrales Unternehmen nötig ist. Und sie kann der verlässliche Dividendenzahler bleiben, der sie in den vergangenen Jahren war. Davon hat nicht zuletzt der Finanzminister stark profitiert. (Günther Strobl, 1.6.2021)