Die Studentinnen und Fridays for Future-Aktivistinnen Marlene Nutz und Sofia Scherer fordern im Gastkommentar strengere Kohle-Policies für österreichische Banken.

Zeit ist Geld. In der Rettung des Klimas gilt auch umgekehrt: Geld ist Zeit. Der Finanzmarkt ist eine der großen Stellschrauben, die über die Geschwindigkeit der Treibhausgasreduktion entscheiden. Mit dem Pariser Klimaabkommen verpflichteten sich die Vertragsstaaten vor fünf Jahren, ihre Finanzflüsse mit dem 1,5-Grad-Limit in Einklang zu bringen. Somit sind nicht nur die Banken am Zug, sondern auch Finanzminister Gernot Blümel, um fossile Finanzierungen durchBanken zu stoppen.

Finanzrecherchen der NGO Urgewald und von uns – Fridays for Future Austria – zeigten: Erste Group und Raiffeisen Bank International (RBI) – die internationalen Akteure der Sparkassen und Raiffeisenbanken – finanzierten seit dem Pariser Klimaabkommen Kohlekonzerne mit insgesamt 4,38 Milliarden US-Dollar. Um auf diesen klaren Bruch mit dem Klimaabkommen aufmerksam zu machen, organisierten wir im ganzen Land Proteste vor den Banken und trafen uns zu Gesprächen mit Führungspersonen. Verblüffte Jugendliche suchten ihre Lokalbanken auf und befragten diese über die Kohlefinanzierungen. So kam es zu einer ersten Revolution in der österreichischen Finanzwelt.

Die Bank Austria hat beschlossen, 2028 aus der Kohle auszusteigen.
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Das Resultat: RBI und Erste Group überarbeiteten ihre Finanzierungsrichtlinien früher als geplant. Beide Banken fordern von den von ihnen mit Krediten finanzierten Konzernen eine Strategie für deren Kohleausstieg, welcher bis 2030 zu erfolgen hat. Die RBI fordert diese Strategie bis Ende 2021, die Erste Group lässt ihren Kunden zwei Jahre mehr Zeit. Liegt bis zu diesen Deadlines kein Ausstiegsplan vor, erhalten die Konzerne keine weiteren Kredite.

Wo ist der Nachhaltigkeitsspirit?

Die größte Bank Österreichs, Bank Austria (Unicredit), stellt die Policies der beiden anderen Großbanken mit ihrem Beschluss, 2028 aus der Kohle auszusteigen, in den Schatten. Allerdings beschädigte sie kürzlich ihren Ruf erheblich, indem sie sich an einem Milliardenkredit für EPH beteiligte. EPH ist eines der größten Kohleunternehmen und eine der größten CO2-Schleudern Europas und hat noch kein Kohle-Ausstiegsdatum genannt. Dass Unicredit diesem Konzern im Jahr 2021 noch einen Kredit genehmigt, spricht nicht für den Nachhaltigkeitsspirit der Bank.

Einen weiteren Bruch mit dem Pariser Klimaabkommen leistet sich die Erste Group. Glencore, ein Konzern, der 100 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördert und einer der größten Kohleexporteure weltweit ist, kann bis zum Vorlegen eines Ausstiegsplans im Jahr 2023 weiter von der Erste Group finanziert werden. Hier fehlt ein Ausschlusskriterium, das die maximale Fördermenge deckelt. Aktuell schließen die Banken Kohleunternehmen nur anhand eines bestimmten Kohleanteils am Gesamtumsatz aus. Glencore fällt hier nicht darunter, da der Großkonzern mit vielen verschiedenen Rohstoffen handelt.

Die Kohle-Policies aller drei Banken bieten noch Verbesserungspotenzial. Jedoch werden sie sich schon bald positiv auf Europa auswirken: Erste Group wie auch RBI haben ihren Schwerpunkt in Osteuropa. Da etwa die tschechische Regierung noch bis 2038 plant, Strom aus Kohle zu gewinnen, wird der Finanzierungsstopp einen positiven Einfluss auf die dortige Energiewende und eine klimagerechte Transformation der Arbeitsplätze haben.

Österreich ist eines der ersten Länder weltweit, welches dem Kohlesektor den Geldhahn zudrehen wird. Dass dies von uns jungen Menschen ausging, ist eine Entlastung für unseren vielbeschäftigten Finanzminister. (Marlene Nutz, Sofia Scherer, 7.6.2021)