Thunberg adressierte in ihrer Rede vor allem Politiker in wohlhabenderen Staaten.

Foto: AP/Virginia Mayo

Kann ich ein Klatschen hören, wenn Sie die Erde retten wollen? Und auf dieser Seite? Sind Sie motiviert, die Welt zu retten? Mit Worten wie diesen versuchte der US-amerikanische Schauspieler und Moderator Matt Iseman, das Publikum bei der Eröffnung des Austrian World Summit wachzurütteln. Doch das war gar nicht nötig, waren doch alle gekommen, um genau über dieses Thema zu sprechen: den Klimaschutz. Letztlich wurde bei dem Miniklimagipfel in der Spanischen Hofreitschule weder mit Applaus, noch mit großen Worten gespart.

Arnold Schwarzenegger, Schirmherr der Veranstaltung, rief in seiner Eröffnungsrede zur Hoffnung auf. Medien sollten vermehrt über Lösungen und Erfolge in der Klimakrise berichten und die Botschaften einfach halten. Querverweise zu seinen Filmen fehlten dabei nicht. Die Prämisse des "Terminator": "We can terminate pollution" – wir können die Verschmutzung beenden.

Die ganze Rede von Arnold Schwarzenegger gibt es hier zu sehen.
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In eine ähnliche Kerbe, wenn auch mit deutlich ruhigeren Worten, schlug Bundespräsident Alexander Van der Bellen. "Niemand wünscht sich eine dunkelgraue Welt, eine Dystopie", sagte der Politiker. Er selbst wünsche sich eine Welt, in der "größer, weiter, besser" nicht nur als wachsender Profit verstanden werde. Besonders gefordert sei jetzt die Politik. Lobende Worte fand Van der Bellen für Fridays for Future und die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Die Rede von Alexander Van der Bellen.
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Kein Lob von Thunberg

Auch sie war am Donnerstag dabei – zumindest virtuell. Die Schwedin nahm sich kein Blatt vor den Mund: Sie kritisierte leere Worthülsen und Klimagipfel, bei denen keine Klimaforscher als Redner eingeladen seien. Sie warf der Politik vor, nicht genug gegen die Klimakrise zu unternehmen: "Was Sie machen, hat nichts mit Klimaschutz zu tun oder mit dem Reagieren auf eine Krise", stellte Thunberg ohne direkten Adressaten in den Raum. Bei politischen Reden handle es sich oft nur um Kommunikationstaktik. "Sie tun so, als würden Sie sich verändern, wenn Sie eigentlich genauso weitertun wie bisher."

Rede von Greta Thunberg circa ab Minute 36:30.
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Einer, an den die Rede wohl auch adressiert war, ist Bundeskanzler Sebastian Kurz. Bevor der ÖVP-Politiker zu seiner Befragung im U-Ausschuss eilte, warb er für einen internationalen Lösungsansatz im Klimaschutz: "Das Schlimmste wäre, wenn wir die Standards in Österreich und Europa erhöhen und gleichzeitig aber aus aller Welt Produkte importieren, die unter anderen Standards und Bedingungen produziert werden", sagte Kurz. "Weil dann wandern am Ende des Tages nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch die Emissionen ab."

Kanzler Kurz am Wiener Klimagipfel.
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Österreich habe sich ambitionierte Klimaziele gesetzt, betonte der Kanzler. Er habe das Gefühl, dass Diskussionen rund um den Klimaschutz oft "mit einer moralischen Überlegenheit, mit erhobenem Zeigefinger, mit dem ständigen Wunsch nach Verboten, Strafen und Verzicht geführt werden".

Klimagesetz ausständig

Von seiner Rede zeigten sich nicht alle begeistert: "Der ganze Summit ist gefüllt mich Versprechen, statt Aktionen zu setzen", kritisiert Katharina Rogenhofer, Sprecherin des Klimavolksbegehrens. Sie sei "schockiert" darüber, dass Kurz bei dem Gipfel über Klimaneutralität spreche, Österreich hingegen seit Jänner keine verbindlichen Klimaschutzziele habe. Der Entwurf des Klimaschutzgesetzes, der den Weg dorthin ebnen soll, befindet sich nach wie vor in Abstimmung. "Es ist eine Frechheit, als politischer Verantwortungsträger zu sagen, man sei auf dem besten Weg, gleichzeitig aber kein Gesetz zu präsentieren, an dem man die Zielerreichung messen könnte."

Kritik von Klimaschützern kam auch an anderer Stelle: Sie sprachen von "Greenwashing", nachdem der Generalsekretär der Wirtschaftskammer, Karlheinz Kopf, als Sponsor mit einer Medaille zum "Climate Action Hero" prämiert wurde. Immerhin hat die Kammer mit ihren Aussagen zum Entwurf des Klimaschutzgesetzes unlängst für viel dicke Luft gesorgt.

Darüber hinaus wurden Aktivisten von Fridays for Future nach eigenen Angaben gebeten, ihre mitgebrachten, abgestellten Schilder aus dem Saal zu entfernen – oder selbst zu gehen. Es sei "pervers", dass bei einem Klimagipfel solche Protestformen nicht willkommen seien, sagte einer von ihnen. Die Veranstalter versicherten auf Nachfrage, dass es sich um "keine böse Absicht" gehandelt habe, die Schilder jedoch die Kameras hätten stören können. (Nora Laufer, 1.7.2021)