Wer nicht gerade eine Wäscheleine auf Balkon oder Terrasse gespannt hat, geht dieser Tage keinen Schritt auf den im Frühling noch mit Bedacht ausgewählten Holzdielen. Warum auch? Der Boden ist nass, die Pölster auf der Couch feucht und kalt zugleich; aus den Blumentöpfen ragen braune, vertrocknete Hölzer, wo noch vor Monaten bunte Blümchen geblüht und geduftet haben. Vor wenigen Wochen noch die beliebtesten Orte in Wohnungen, verkommen Balkone und Terrassen, sobald die Temperaturen sinken. Doch das muss nicht so sein.

Gerade jetzt, wenn sich Corona vor allem in geschlossenen Räumen ausbreitet und der Ruf nach Social Distancing wieder lauter wird, sind Balkon und Terrasse sichere Orte, um auch einmal mit Freunden zusammenzusitzen. Die Interieurdesignerinnen Susanne Liebscher und Stefanie Kühnberg von Lieb & Kühn Interior Design wissen der ungemütlichen Situation Abhilfe zu schaffen.

Immergrüne Gräser oder bunte Scheinbeeren schmücken den Balkon auch in den kalten Wintermonaten. Laternen, Teppiche und kuschelige Felldecken schaffen eine gemütliche und warme Atmosphäre.
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Zunächst raten sie, den kalten Balkonboden unter einem Outdoor-Teppich zu verstecken. Außerdem zaubern Decken und Felle über Outdoorsesseln und -kissen eine kuschelige Atmosphäre. "Textilien in warmen Farben wie Rot, Gelb, Orange oder Braun erhöhen das Wärmeempfinden übrigens noch etwas", sagt Liebscher. Und um nicht nur dem Geist, sondern auch dem Körper einzuheizen, empfiehlt die Expertin Heizstrahler oder -pilze. Und all jene, die auch im Winter nicht auf Sonnenstrahlen verzichten möchten, sollten nicht vergessen: Sonnenschutz abbauen, im hintersten Kellereck verstauen oder zumindest beiseiteschieben, damit die Wintersonne Besuchern und Bewohnerinnen ungehindert ins Gesicht scheinen kann.

Für Wohlfühlatmosphäre sorgen Deko-Elemente wie Fichtenzweige und Tannenzapfen. Kühnberg empfiehlt, Balkongeländer mit immergrünen Zweigen zu umwickeln und mit Kränzen aus Tannenzapfen zu schmücken. Hier darf ruhig dick aufgetragen werden. Denn: "Üppiges Grün lässt uns die kahle Winterzeit vergessen", sagt Kühnberg.

Für optische Abwechslung sorgen zudem Blumenampeln, die von oben herabbaumeln und mit Reisig dekoriert sind. Und was tun mit leeren Pflanzencontainern? "Die können mit frischen Tannenzweigen bestückt werden", sagt Liebscher.

Es grünt so immergrün

Außerdem bilden winterharte Pflanzen in Übertöpfen oder Körben ein schönes Arrangement. Eukalyptus hält beispielsweise Temperaturen bis zu minus zehn Grad Celsius aus. Ebenso die Scharlachfuchsie, die mit ihren knallroten Blüten auch Farbtupfer bringt. Interieurdesignerin Andreea Cebuc von C’est Design empfiehlt für zusätzliche Farbakzente die Heidelbeere Pink Berry und die schöne Scheinbeere. "Damit kann man festliche Farbakzente setzen", sagt Cebuc. Für den schlichten Geschmack empfiehlt sie, zur weißen Schneebeere oder silbergrünen Pinie zu greifen.

"Winterharte Gräser haben ohnehin das ganze Jahr über Saison", ergänzt Liebscher. Wer gerne größere Pflanzen oder sogar Bäume auf dem Balkon hat, kann in einen nach haltigen Christbaum investieren. Im Topf überleben kleine Tannen bei guter Pflege ganzjährig auf dem Balkon. Zu Weihnachten können sie jedes Jahr aufs Neue geschmückt werden.

Vogelhaus und Laternen

Richtig warm ums Herz wird Bewohnern, wenn Insektenhotels und Vogelhäuschen besiedelt werden. Das hilft der Natur und haucht dem Balkon auch im Winter Leben ein. Für romantische Stimmung sorgen zudem Windlichter und Laternen. "Letztere kommen jetzt wunderbar zur Geltung", sagt Kühnberg. Auch Lichterketten oder Lampions erzeugen behagliche Weihnachtsgefühle. (Julia Beirer, 20.11.2021)