War es böser Wille? Politische Intervention? Die Ursache für das Chaos um den von einem Richter abgeschmetterten Entscheid der australischen Einwanderungsbehörden, Tennisstar Novak Djokovic abzuweisen, ist banaler: der Pallawatsch der Behörden. Bürokraten der Gliedstaaten sprechen nicht mit jenen der politisch anders gelagerten Bundesregierung. Eine Hand weiß nicht, was die andere tut.

Dem Einspruch des serbischen Tennisprofis Novak Djokovic gegen seine verweigerte Einreise nach Australien ist stattgegeben worden.
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Ein Problem, mit dem Australierinnen und Australier täglich konfrontiert sind, hat diesmal eine positive Seite. Flüchtlingsorganisationen hätten sich keinen besseren Skandal wünschen können, um auf einen viel größeren hinzuweisen. Im selben Hotel, in dem Djokovic kurz hausen musste, leben dutzende abgewiesene Asylsuchende – einige seit Jahren und unter schrecklichen Bedingungen.

Dass Djokovic das Licht der Weltöffentlichkeit auf diese Praxis geworfen hat, dafür werden humanitäre Organisationen dem Serben wohl noch lange danken. Nicht aber für seine Arroganz, als Ungeimpfter willentlich und wissentlich die Gesundheit der australischen Bevölkerung zu gefährden zu einer Zeit, in der sich Covid durch das Land frisst wie nie zuvor.

Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke hat nach dem Richterspruch immer noch die Macht, den Serben vor die Tür zu stellen – so wie er die Macht hätte, die Geflüchteten in die Freiheit zu entlassen. (Urs Wälterlin, 10.1.2022)