Je jünger das Kind ist, desto kürzer sollte die Bildschirmzeit sein.
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In Österreich besitzt bereits die Hälfte der Acht- bis Zehnjährigen ein eigenes Smartphone. Der Einstieg in die digitale Medienwelt beginnt meist aber schon in den ersten Lebensjahren. Dann, wenn die Kleinsten wissen wollen, was der Großen liebster Zeitvertreib ist. "Wenn Eltern ständig am Smartphone kleben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch die Kleinkinder permanent darum betteln", sagt Medienpädagogin Sonja Messner. Bei älteren Kindern haben Eltern keinen allzu großen Einfluss mehr. "Teenager picken permanent am Handy und lassen auch schlecht mit sich diskutieren." Besorgte Eltern fragen sich nun: Darf mein Kleinkind schon Youtube-Videos anschauen? Wie lange soll ich mein Kind am Handy spielen lassen? Wir haben einen Leitfaden erstellt, der aktuelle Richtlinien der WHO und Empfehlungen von Medienpädagogin Sonja Messner enthält:


Kinder unter drei Jahren

Babys (bis zu einem Jahr) sollten noch gar keine digitalen Inhalte sehen. Da Kleinkinder Eindrücke über den Bildschirm nur schwer verarbeiten können, sollte man die Mediennutzung auf ein Minimum reduzieren. Geeignet sind einfache, nicht zu laute oder schnell geschnittene Kinderserien für das Alter ab zwei Jahren (etwa "Die Sendung mit der Maus"). Eine Folge mit wenigen Minuten reicht aus. Wichtig: Digitale Geräte niemals einsetzen, um das Kind zu beruhigen oder abzulenken. Das Erlernen der Selbstregulation kann sonst gestört werden.

Drei bis sechs Jahre

Ob auf dem iPad oder via Fernseher: Auch in diesem Alter sollte es zeitliche Limits für die Bildschirmnutzung geben. Am besten schauen Eltern gemeinsam mit dem Kind, um die Inhalte besprechen zu können – oder man verbindet die Mediennutzung mit einem Ritual (zum Beispiel 30 Minuten fernsehen nach dem Abendessen, dann Zähne putzen). Im Kinderzimmer sollte es keinen Fernseher oder andere digitale Endgeräte geben.

Sechs bis zehn Jahre

Mit Schulbeginn bekommen viele ihr erstes Handy. Sollten sich Eltern bewusst dagegen entscheiden, sollte dies dem Kind auch gut erklärt werden. Aufklärung ist gefragt, um einen kompetenten Umgang mit digitalen Inhalten zu gewährleisten. Eltern sollten darauf achten, dass andere Interessen nicht vernachlässigt werden.

Zehn bis zwölf Jahre

Ab diesem Alter kann es sein, dass das Kind Ausgrenzung erfährt, wenn es noch kein Smartphone hat. Auch das muss in einem offenen Gespräch thematisiert werden. Digitale Medien sind Teil des Unterrichts, Aufgaben müssen teilweise online erledigt werden. Die Nutzungsdauer erhöht sich also automatisch. Eltern sollten dem Kind trotzdem weiter die Möglichkeit einräumen, einfach zu surfen oder zu zocken.

Ab zwölf Jahren

Ab nun ist es schwierig, den Konsum zeitlich einzuschränken, weil Jugendliche genau wissen, was sie wollen – und meist Wege finden, dieses Bedürfnis zu erfüllen. Bezugspersonen müssen verfügbar bleiben, damit sich die Kinder im Problemfall an sie wenden können. In Gesprächen sollte auf Augenhöhe über die Mediennutzungszeiten und problematische Inhalte diskutiert werden. (22.12.2019)