So sehr Donald Trump auch versucht, sich als unschuldiges Opfer zu inszenieren: An den Fakten ändert es nichts. Die haben 17 Zeugen – Diplomaten, Ministerialbeamte, Mitarbeiter des Weißen Hauses, also keine parteiischen Gegenspieler des Präsidenten – übereinstimmend bestätigt. Demnach hat Trump versucht, die Regierung der Ukraine zu Ermittlungen gegen Joe Biden zu bringen. Weil dieser bei der Wahl 2020 sein Widersacher sein könnte, führen die Demokraten zu Recht ins Feld, dass es sich um einen Angriff auf das Herzstück der US-Demokratie handelt; um den Versuch, mit ausländischer Hilfe eine Wahl zu manipulieren. Ließe man Trump das durchgehen, so warnen sie, dann wackeln die Fundamente der Demokratie.

Demokraten bezichtigen Trump des Amtsmissbrauchs.
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Dass hingegen die Mehrheit im Repräsentantenhaus nicht wackeln würde, das war schon vor der Abstimmung am Mittwoch klar – und damit wird der 18. Dezember 2019 als historischer Tag in die Chronik eingehen: Erst zum dritten Mal in der Geschichte der USA beschließt die Abgeordnetenkammer, die Absetzung des Staatschefs zu verlangen.

Der Malus der Amtsenthebungsklage wird nun für alle Ewigkeit in den Geschichtsbüchern stehen. Das wurmt Trump, der von sich selbst stets nur in Superlativen schwelgt – die tollste Wirtschaft, die niedrigste Arbeitslosigkeit, überhaupt die beste Zeit seit Gründung der Republik. Und noch etwas ist historisch: Es gab noch nie einen US-Präsidenten, der jegliches Schuldbewusstsein derart komplett vermissen ließ. (Frank Herrmann, 18.12.2019)