Schranz: "Djokovic hätte sich für Australien impfen lassen sollen."

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Natürlich kann man, und das wird oft übersehen, Äpfel und Birnen miteinander vergleichen. Es gibt Unterschiede, es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. Beides sind Kernobstgewächse, da wie dort sitzen die Vitamine unter der Schale, die also am besten mitverzehrt werden sollte, Ungespritztheit vorausgesetzt.

Stich-Wort Ungespritztheit. Diesbezüglich tut sich Karl Schranz (83) schwer mit Novak Djokovic, mit dem er in den vergangenen Tagen immer wieder verglichen wurde. "Natürlich bin ich dreimal geimpft", sagt der berühmte Tiroler und sieht die Impfverweigerung des berühmten Serben als Problem. "Meines Erachtens ist Djokovic an seiner misslichen Situation und an den Turbulenzen in Australien selbst schuld", sagt Schranz. Und das sei denn vielleicht auch gleich der größte Unterschied zwischen dem Karl Schranz anno 1972 und dem Novak Djokovic anno 2022. "Denn ich", sagt Schranz im Gespräch mit dem STANDARD, "ich hab ja keine Schuld gehabt. So wie sie mich ausgeschlossen haben, hätten sie damals alle anderen auch ausschließen müssen."

Kochende Volksseele

Bald fünfzig Jahre ist es her, dass die Olympischen Spiele in Sapporo für den Skistar Schranz vorbei waren, ehe sie begonnen hatten. Avery Brundage, der US-amerikanische IOC-Präsident, schloss den Österreicher von den Spielen aus, da von Schranz ein Foto aufgetaucht war, das ihn bei einem Benefizfußballspiel im Trikot mit Kaffeewerbung zeigte. Brundage sah einen Verstoß gegen den Amateurparagrafen als erwiesen an, nach dem Olympia-Teilnehmer kein Geld mit Sport verdienen durften.

Die Volksseele kochte, Österreich bereitete Schranz am 8. Februar einen triumphalen, von ORF-General Gerd Bacher orchestrierten Empfang. Dieser gipfelte darin, dass Schranz von Bruno Kreisky ins Kanzleramt eingeladen wurde und der jubelnden Menge auf dem Ballhausplatz zuwinkte. Aus dem dreimaligen Weltmeister und zweimaligen Gesamtweltcupsieger war ein Nationalheld geworden.

8. Februar 1972: Nach seinem Olympia-Ausschluss winkt Schranz in Wien der jubelnden Menge am Ballhausplatz zu.
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Mag sein, dass Djokovic diesen Status in Serbien allein schon wegen seiner Erfolge bereits genießt. Doch ganz egal, wie seine Australien-Reise zu Ende geht – er hat es nun auch zur Impfskeptiker-Ikone gebracht. Schranz wäre nicht überrascht, sollte Djokovic, obwohl der aus Steuergründen in Monaco wohnt, bald in Belgrad ein roter Teppich ausgerollt werden. "Das bleibt jedem Volk überlassen, warum es jemandem zujubelt", sagt er. "Aber die Motive wären ganz andere als bei meinem Empfang damals in Wien." Er bleibt dabei: "Djokovic hätte sich impfen lassen sollen, um in Australien spielen zu können. Lässt er sich nicht impfen, muss er auch die Konsequenzen tragen."

Doch Djokovic habe "provoziert und es drauf angelegt" und sei deshalb auch kein gutes Vorbild. Schranz: "Uns hat auch niemand gefragt, als wir gegen Pocken oder Kinderlähmung geimpft worden sind." Rein sportlich gesehen, sagt der Hotelier vom Arlberg, ziehe er seinen Hut vor Djokovic, den er bei der Tennis-Trophy in seinem Heimatort St. Anton 2008 schon einmal live spielen sah. In diesem Jahr hatte Djokovic den ersten seiner neun Australian-Open- und mittlerweile 20 Grand-Slam-Titel geholt.

Passabler Tennisspieler

Karl Schranz ist nicht nur Tennisfan, er hat auch selbst sehr passabel gespielt. "Einmal hab ich sogar Geld damit verdient." Das war 1974 bei einem Superstarwettbewerb in Florida, wo Schranz den Tennisbewerb gewann und dafür immerhin 1.000 Dollar kassierte. Der Amateurparagraf konnte ihm, der nach seinem Ausschluss zurückgetreten war, da nichts mehr anhaben, er sollte noch bis 1981 gelten.

Schranz geht im Übrigen davon aus, dass auch in Serbien bei weitem nicht alle gutheißen, wie sich Djokovic verhält oder welche Vergleiche der Vater des Tennisspielers gezogen hat. "Den eigenen Sohn mit Jesus zu vergleichen, das kann man nicht machen, das ist einfach nur übertrieben."

So ist das mit den Vergleichen, sie können hinken. Und zwar weit mehr als im Fall der Kernobstgewächse. Wobei nicht verschwiegen werden soll, dass die Birne einen etwas höheren Nährwert hat und auch reicher ist an Phosphor, Kalzium und Kalium, dafür weniger Vitamine liefert als der Apfel. (Fritz Neumann, 11.1.2022)