Für neun Euro im Monat mit dem Zug durch ganz Deutschland reisen: Seit 1. Juni ist das möglich. Beschränkt auf die Sommermonate, gilt dieses Angebot auch für Menschen ohne deutschen Pass, denn, wie schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Prinzipiell kann sich jeder und jede das Neun-Euro-Ticket kaufen, unabhängig von der Nationalität. Das Ticket hat sich von Beginn an also nicht explizit an Deutsche oder in Deutschland lebende Personen gerichtet. Da das Ticket am Fahrkartenautomat und online erworben werden kann, wäre dies auch schwierig – zumal es den Gleichheitsgrundsatz der EU verletzen würde."

Somit steht einer Zugreise durch unser Nachbarland nichts mehr im Wege. Zu entdecken gibt es einiges, wie die folgenden Beispiele zeigen. Wer will, kann sogar 400 Kilometer ohne umsteigen zurücklegen: und zwar mit der RE 5, der längsten Regionalbahnlinie Deutschlands, die von Elsterwerda in Brandenburg bis nach Rostock führt.

Als Ausgangsort unserer Reise haben wir Wien gewählt. Vom Hauptbahnhof fahren Direktzüge nach München (Fahrtzeit rund vier Stunden). In Bayern angekommen, holt man sich das Neun-Euro-Ticket – und schon kann das Abenteuer losgehen.

Reiseziele ab München

Zum Schloss Neuschwanstein ist es von München aus lediglich eine zweistündige Zugfahrt ohne umsteigen. Direktverbindungen von München aus gibt es in alle Himmelsrichtungen, auch in die Berge und zu malerischen Orten wie Garmisch-Partenkirchen. Eine Stunde und 22 Minuten benötigt der Zug von München bis nach Garmisch-Partenkirchen. Der Skiort lohnt sich auch in den Sommermonaten. Wanderfans können von dort aus auch einige Highlights wie den Eibsee, die Partnachklamm und sogar die Zugspitze entdecken.

Schloss Neuschwanstein.
Foto: AFP/CHRISTOF STACHE

Wer sich lieber das Allgäu anschauen möchte, sollte sich in den RE 70/76 Richtung Lindau setzen. Entlang der Strecke befindet sich so mancher schöner Ort wie Kempten oder Oberstaufen.

Überraschenderweise ist es möglich, mit nur einem Umstieg von Bayerns Hauptstadt bis nach Dresden oder Leipzig zu fahren. In beiden Fällen steuern Reisende zunächst Hof an und nehmen von dort den Regionalexpress nach Leipzig oder Dresden. Unentschlossene können also in Hof einfach spontan entscheiden, welche der beiden sächsischen Städte sie besuchen wollen.

Die Frauenkirche in Dresden.
Foto: APA/AFP/JENS SCHLUETER

Die Fahrt zu beiden Städten dauert sechs Stunden und 22 beziehungsweise 24 Minuten und ist somit auch am Stück machbar. Wer sich für Dresden entscheidet, sollte die Wanderschuhe einpacken und unbedingt einen Wandertag zur Bastei einplanen. Die traumhafte Aussicht entschädigt definitiv für den anstrengenden Aufstieg. Wandertipp: Der Abstieg über die "Schwedenlöcher" ist übrigens beinahe noch schöner und aufregender – und wahrscheinlich weniger überlaufen als der reguläre Weg.

Leuchttürme, frischer Hummer, Wellness und Insel-Feeling: Die Lieblingsinsel der Deutschen darf natürlich nicht fehlen. Wer das Alpenpanorama mal gegen feine Sandstrände und das Wattenmeer tauschen möchte, ist auf Sylt definitiv an der richtigen Adresse. Ein Besuch der Insel der Reichen und Schönen kostet sonst von München aus ein Vermögen, während der Sommermonate reicht das Neun-Euro-Ticket. Wie auch so mancher Punk mitbekommen hat.

Sylt.
Foto: imago images/localpic

Mit 15,5 Stunden dauert es allerdings eine ganze Weile von München bis auf die Insel, es ist aber an einem Tag machbar. Wer die Strecke lieber in Etappen zurücklegen möchte, könnte beispielsweise einen Zwischenstopp in Leipzig einlegen.

Man kann von München selbstverständlich auch nach Berlin fahren, am besten mit einem der ICE, die die deutsche Bundeshauptstadt direkt ansteuern. Die Crux: Das Neun-Euro-Ticket ist nicht in den Zügen des Fernverkehrs (zum Beispiel IC, EC, ICE) und in Fernbussen gültig. Also entweder man nimmt das teurere ICE-Ticket (Kostenpunkt rund 200 Euro) oder Regionalzüge, die im Ticket inbegriffen sind. Dann sitzt man aber über neun Stunden im Zug. Oder man teilt sich die Strecke in Etappen auf: fährt nach Nürnberg, auch eine sehenswerte Stadt, weiter nach Leipzig, von dort nach Dessau und von dort nach Berlin.

Berlin.
Foto: Getty Images/holgs

In Berlin kann man selbstverständlich auch ein ganzes Wochenende oder mehr verbringen. Und wenn man schon mal in Berlin ist, kann man auch gleich noch einen Abstecher in den Spreewald und nach Potsdam machen.

Von Berlin aus fahren gleich mehrere Regionalzüge direkt bis an die Ostsee: Der bereits oben erwähnte RE 5 bringt Fahrgäste innerhalb von zwei Stunden und 41 Minuten nach Rostock, der RE 3 braucht lediglich drei Stunden und 13 Minuten bis nach Stralsund, und der RE 2 braucht genauso lange bis nach Wismar.

Da Berlin nicht die erste Station entlang der Strecken ist, könnten die Züge bereits in Berlin sehr voll sein. Doch mit der Aussicht auf Meer ist auch ein voller Zug für knapp drei Stunden aushaltbar.

Stralsund.
Foto: imago images/arguseye

Von der deutschen Hauptstadt aus geht es über Magdeburg in nur knapp drei Stunden bis ins Gebirge, in den Harz, konkret nach Wernigerode. Die Kleinstadt mit ihren romantischen Fachwerkhäusern ist zum einen selbst einen Besuch wert und zum anderen der Ausgangspunkt für eine Wanderung zum berühmten Brocken. Wer will, kann mit der beeindruckenden Brockenbahn auf den Berg fahren. Diese Bahn ist allerdings nicht mit dem Neun-Euro-Ticket nutzbar.

Ab Berlin kann man in etwas mehr als vier Stunden Fahrtzeit Hamburg erreichen. Die Hansestadt an sich ist schon ein lohnenswertes Städtereiseziel. Man kann von der Hafenstadt aber beispielsweise auch einen Ausflug in die Marzipanstadt Lübeck unternehmen. In knapp einer Dreiviertelstunde ist man mit dem RE 8 dort. Eine romantische Altstadt, zahlreiche Museen, das imposante Holstentor und natürlich das Niederegger Marzipan machen Lübeck zu einem perfekten Tagesausflugsziel.

Hamburg.
Foto: AP/Michael Probst

Noch ein kurzer Abstecher an den Strand? Vom Lübecker Hauptbahnhof aus dauert es lediglich 22 Minuten bis nach Travemünde.

Mit ihren Weinbergen und Burgen ist die Region rund um die Mosel nicht nur bei Weinliebhabern unfassbar beliebt. Von Hamburg aus ist beispielsweise Cochem gut erreichbar. Mit viermal umsteigen dauert es zwar acht Stunden und 23 Minuten. Wer aber morgens Lust auf Wein an der Mosel hat, kann am selben Abend noch dort sein. Auch Umstiegsorte wie Koblenz sind definitiv einen Ausflug wert.

Am Wasser entspannen, durch Wälder und Berge wandern: Ein Ort, an dem all das möglich ist, ist Prien am Chiemsee. Er ist der größte Ort am Chiemsee und hat neben Aussichten noch einiges mehr zu bieten: Kletterpark, Heimatmuseum, Shoppingmöglichkeiten, Erlebnisbad oder auch Wellness. 14 Stunden muss man dafür allerdings einplanen – wenn man von Hamburg startet. Vom Chiemsee ist es nur ein Katzensprung nach München, von wo man dann die Rückreise nach Österreich antreten kann, wenn man will.

Der Chiemsee.
Foto: EPA/PHILIPP GUELLAND

Oder man stattet Köln noch einen Besuch ab, einem weiteren guten Ausgangspunkt für eine Zugreise in Deutschland: im Herzen des Ruhrgebiets gelegen, kann man in einen der vielen Regionalzüge steigen und das Umland sowie den Rest Deutschlands via City-Hopping erkunden. Ohne Umstieg sind zahlreiche andere aufregende Städte von Köln aus in Windeseile erreichbar: Nach Düsseldorf dauert es gerade einmal 30 Minuten, nach Dortmund eine Stunde und 45 Minuten, bis ins schöne Münster etwas mehr als zwei Stunden. Ob man dann nur für ein paar Stunden bleibt oder vielleicht doch über Nacht, muss natürlich jeder selbst entscheiden. In jeder dieser Städte gibt es auf jeden Fall eine Menge zu entdecken. (red, 28.6.2022)

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